• Schweiz verschandeln? Pour un paysage durable

Selbst mit Subventionen ist die Windkraft in der Schweiz kaum rentabel

Die Genossenschaft Elektra Birseck EBM hat heute den Windpark Liesberg BL sistiert. Grund dafür seien zu geringe Windgeschwindigkeiten von 4.5 m/s und ungenügende Subventionen. Die EBM investiert daher nun in inländische Wasser- und Solarkraft.

Bild: (c) Marc Hatot

Die heutige Medienmitteilung der EBM macht deutlich, dass die Schweiz kein Windland ist. Die Windgeschwindigkeiten an exponierten Lagen im Jurabogen von teilweise nur 4.5 m/s reichen bei weitem nicht aus, um wirtschaftlich die Windenergie mit grossen industriellen Windkraftanlagen zu nutzen.

Die EBM ging von einer durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeit von 5 m/s aus, nun zeigen aber die zweijährigen Messungen – trotz Stürmen in diesem Winter – dass die Erwartungen um rund 10% unterschritten worden seien.

Die EBM beklagt sich, dass trotz der Annahme des neuen Energiegesetzes und der deutlichen Erhöhung des Netzzuschlags für die KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) keine effektive Förderung für die inländische Nutzung der Windkraft erzielt werden konnte. Einerseits seien die meisten Gelder bereits zugewiesen und werden für Projekte auf der Warteliste verwendet, andererseits sei nicht klar, welche Nachfolgelösung nach dem Auslaufen des aktuellen KEV-Systems 2022 zu erwarten ist.

Die EBM habe dennoch im Bereich der erneuerbaren Energien bereits Erfolge erzielt: In der weitaus umweltfreundlicheren Wasser- und Solarenergie. Die EBM plant nun, die weiteren Aktivitäten in den erneuerbaren Energien in der aventron AG zu konzentrieren. Diese Beteiligungsgesellschaft an Kraftwerken erneuerbarer Energie investiert vor allem in Solar- und Wasserkraftwerke, aber auch in Windkraftwerke in Deutschland, Norwegen, Italien, Frankreich und Spanien.

Der Entscheid der EBM dürfte auch andere Investoren anregen, ihre bisherigen Bemühungen in Windkraft in der Schweiz zu überdenken. So verfügt zum Beispiel auch der Windpark Vechigen in der Nähe der Bundeshauptstadt Bern nur über schwache Windverhältnisse von durchschnittlich 4.5m/s.

Schliesslich legt das Beispiel der EBM auch offen, dass der im Konzept Windenergie des Bundes vorgesehene Wert von 4.5m/s Mindestgeschwindigkeit für eine rentable Betreibung einer grossen Windkraftanlage zu gering ist – selbst mit den massiven Subventionen durch die KEV.

Medienmitteilung EBM: Link

Nicht nur der Wind lässt die Schweizer Windturbinen drehen

Die Weltbank und die technische Universität Dänemarks haben einen neuen Weltatlas zur Windenergie veröffentlicht. Der « Global Wind Atlas » erlaubt es, auf der ganzen Welt geeignete Standorte für Windturbinen zu finden. Die Schweiz erscheint auf dem Atlas klar als einer der am schlechtesten geeigneten Orte für die Nutzung der Windenergie.

In der Schweiz sind an verschiedenen Orten im Jura, in den Voralpen und im Mittelland Windturbinen vorgesehen. Die Promotoren sprechen oft von « idealen  Produktionsverhältnissen ». Der soeben veröffentlichte « Global Wind Atlas » der Weltbank und der technischen Universität Dänemarks schafft nun Klarheit: Die Schweiz verfügt europaweit über sehr schlechte Windverhältnisse zur Produktion durch Windturbinen. Ausser auf den Spitzen der Alpen, welche technisch und aus touristischen Gründen kaum erschliessbar sind, hat keine Schweizer Region ein interessantes Potential im Vergleich zum Rest von Europa.

Der « Global Wind Atlas » erlaubt es, die Windkarte des Konzepts Windenergie Schweiz des Bundes kritisch zu beurteilen (wind-data.ch). Der Atlas des Bundes weist zahlreichen Regionen ein Potential für den Bau von Windkraftanlagen zu, wo die Weltbank kein Potential ausweist. Die Windverhältnisse im Mittelland seien gemäss dem internationalen Atlas völlig uninteressant, ebenso mehrere geplante Standorte im Jura. Die Windkarte des Bundesamtes für Energie BFE, hergestellt durch Suisse Eole, der Schweizer Lobby der Profiteure der Windenergie, erscheint nun eher politisch motiviert als wissenschaftlich fundiert. Verschiedene kürzlich vorgenommene Windmessungen im Waadtländer Flachland zeigen klar auf, dass die Annahmen der Schweizer Lobby Suisse Eole zu den Schweizer Windverhältnissen viel zu hoch sind.

Die neuen Erkenntnisse der Weltbank und der technischen Universität Dänemarks beweisen einmal mehr, dass die Energiestrategie 2050 auf fragwürdigen Grundlagen zur Stromversorgung basiert. Nur massive Subventionen für die Windenergie können schwache Winde in tragfähige Geschäftsvorhaben verwandeln. Die 8 bis 10 Milliarden Franken Investitionen und die jährliche Subventionierung von fast einer Milliarde Franken (KEV), die zur Erreichung der Ziele der Windenergie der Energiestrategie notwendig sind, sind daher eine Geldverschwendung höchsten Grades.

Faktenblatt mit Kartenausschnitten: hier.

Vorläufig keine Windparks im Kanton Thurgau

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau streicht konkrete Windpark-Standorte bis auf weiteres aus dem Richtplan. Dies aufgrund hunderter kritischer Eingaben aus Gebieten, die bisher von weitläufigen Windpark-Gebieten betroffen waren. Mit der Zurückhaltung in der Ostschweiz steigt der Druck auf die Westschweiz und den Jurabogen, denn der Bund möchte den Bau von 1000 Windturbinen im Inland vorantreiben.

Gemäss Nachfrage beim Kanton Thurgau ist die Streichung aller Windpark-Standorte unter anderem auf hunderte Vernehmlassung-Eingaben zurückzuführen, welche in der vergangenen Mitwirkungsfrist eingegangen sind. Viele Duzend Eingaben betreffen den Windpark Braunau-Wuppenau, wo rund zehn Anlagen mit einer Gesamthöhe von über 200m vorgesehen waren.

Der Kanton Thurgau hat gemäss Windkarte der Schweizer Windlobby relativ weniger schlechte Windverhältnisse als andere Gebiete im Flachland. Deshalb ist aus Sicht des Bundes – im Rahmen des Konzepts Windenergie Schweiz – die Ostschweiz für Windkraft zu bevorzugen. Dies passt in die Strategie der Lobby der Promotoren der Windkraft, um die „Welle“ der Windkraftanlagen aus Deutschland via Schaffhausen und Thurgau in die Schweiz zu lassen.

Der drastische Schritt der Thurgauer Regierungsrates ist ein herber Rückschlag für die Promotoren in der Ostschweiz. Da der Bund dennoch auf den Bau von 1000 Windturbinen setzt, um das Produktionsziel von 4.3 TWh zu erreichen, geraten nun der Jurabogen und die Westschweiz noch mehr unter Druck. Betroffen sind vor allem die Kantone BE, FR, VD, NE, JU, VS und SO, in welchen auf Richtplan-Stufe zahlreiche Gebiete vorgesehen sind und für 1000 Windturbinen Platz böten.

Die Entscheidung des Kantons Thurgau ist ein erster Schlag gegen das Konzept Windenergie Schweiz des Bundes, welches gerade zwei Monate alt ist und im Kanton Thurgau bis 50 Turbinenstandorte vorsieht. Der Verband Freie Landschaft Schweiz ist mehr denn ja überzeugt, dass sich die Energiestrategie 2050 ohne den Zubau von gigantischen Windturbinen realisieren lässt.

Revision des Raumplanungsgesetzes : Territoriale Entwicklung ohne jede Kohärenz

Freie Landschaft Schweiz begrüsst das Prinzip der zweiten Revision des Raumplanungsgesetzes. Die aktuelle Regelung ist als Folge verschiedener grundlegenden Änderungen sehr komplex geworden, nur noch eine kleine Minderheit und wenige Juristen haben den Durchblick. Auch wenn man den Willen zur Revision begrüssen kann, fällt die Raumplanungspolitik widersprüchlich aus, da der Bund keine kohärente Vision der Gebiete ausserhalb der Bauzonen hat.

Die Einführung des begrenzten Spielraums für die Kantone bei der Planung und Kompensation ist lobenswert. Dieses System berücksichtigt die Vielfalt der Schweizer Gebiete und ist eine gute Gelegenheit, die bestehenden Regeln zu vereinfachen.

Freie Landschaft Schweiz ist jedoch erstaunt, dass die Bundesstellen keine gemeinsame Vision haben, was ausserhalb der ordentlichen Bauzonen geschehen soll. Auf der einer Seite wollen die Behörden alles regeln, fast bis auf den letzten Quadratmeter, um die Um- und Neubauten ausserhalb der Bauzone zu begrenzen, damit die Zersiedelung zum Schutz der Landschaft auf ein Minimum reduziert werden kann. Auf der anderen Seite treibt das Departement von Frau BR Leuthard nicht nur die Zersiedelung voran, sondern forciert mit dem Bau von hunderten geplanten, riesigen Windturbinen ausserhalb der Bauzonen eine Industrialisierung der Landschaft. Und dies mit der Folge, eine nur schwache und unsichere Energieproduktion zu erreichen. Nicht unberücksichtigt lassen darf man zudem den erhöhten Bedarf an Stromleitungen, jeweils kilometerlangen Zufahrtswegen mit 5-7m Breite und Rodungen, welche dem 2014 durch das Stimmvolk angenommenen Raumplanungsgesetz im Grundsatz zuwiderlaufen.

Das „Konzept Windenergie Schweiz“, welches das Bundesamt für Raumplanung sozusagen gleichzeitig mit dem Start der Vernehmlassung über die zweite Revision des Raumplanungsgesetzes veröffentlicht hat spricht sich für die Errichtung von Windenergieanlagen für eine Jahresproduktion von 4,3 TWh. Dies erfordert den Bau von fast 1000 Windkraftanlagen in der Schweiz ausserhalb der Bauzone, was eine Katastrophe für die Landschaft, für die Landwirtschaftszonen und Schutzgebiete wäre. Der Planungspolitik in der Schweiz fehlt jede Abstimmung und Koordination und zeigt eine gefährliche Blindheit gegenüber den wirklichen Problemen der Zersiedelung und eine abwegige Gewichtung der aktuellen Bundesinteressen.

Der Bundesrat will die Schweiz mit 1000 Windkraftanlagen bis 2050 verschandeln

Der Bundesrat hat heute das Konzept Windenergie Schweiz angepasst. Das kontro-verse Dokument legt die Grundsätze zur Planung von Windkraftwerken fest und fixiert die für Windturbinen vorgesehenen Standorte. Der Bundesrat bestätigt das Ziel der Energiestrategie 2050: Jährlicher Windstrom von 4.3 TWh, das sind 1000 Windturbinen.

Während der Abstimmungskampagne zum 21. Mai über das Energiegesetz hat Freie Landschaft Schweiz alle Alarmglocken geläutet: Die Schweiz wird vom Zubau einer riesigen Anzahl an Windkraftwerken in der Schweiz bedroht. Trotz der zahlreichen beruhigenden Stimmen aus allen politischen Lagern, steht es nun schwarz auf weiss: Die Eidgenossenschaft fixiert das Ziel von 4.3 TWh Windstrom jährlich bis ins Jahr 2050. Das sind 1000 Windkraftwerke, die unsere Landschaften in den nächsten Jahrzehnten verschandeln sollen.

Alle kritischen Stimmen, welche in der Mitwirkungsphase geäussert wurden, hat der Bund konsequent überhört. Der Bund legt keinerlei ausreichende Regeln fest, welcher den Landschafts-, Anwohner-, Natur- und Gesundheitsschutz nachhaltig sicherstellt. Sogar die national geschützten Gebiete (die BLN-Gebiete mit nationaler Bedeutung) sind laut Bundesrat nun zerstörbar! Die Tür für eine exzessive Verbauung unseres Schweizerlandes steht nun weit offen.

Der Bund sieht davon ab, einen verbindlichen Mindestabstand zwischen einer Siedlung und einer geplanten Windkraftanlage festzulegen, sodass insbesondere die Lärmgrenzwerte eingehalten werden können. Die aktuellen regulatorischen Schutzmechanismen stammen aus dem Jahr 1986 und haben die Entwicklung hin zu grossen Windkraftwerken verpasst. So gelten beispielsweise für den Bau von Windkraftwerken die hohen Lärm-Grenzwerte der Landwirtschaftszone, obwohl dort viel weniger hörbarer Lärm zu erwarten ist als in einer Stadt. Die aktuell gültigen Grenzwerte schützen in keiner Art und Weise von tieffrequenten Immissionen und von Vibrationen, denen gemäss wissenschaftlichen Erkenntnissen grosse Gesund-heitsrisiken nachgesagt werden. Auch müssen die Grundlagen des Konzepts, besonders die Hochrechnungen des Windvorkommens, welche durch die Windlobby vorgenommen wurden, angezweifelt werden.

Das Konzept Windenergie Schweiz übersieht die wirtschaftlichen Konsequenzen, welche Windenergie zum Beispiel auf Liegenschaftseigentümer in der Nachbarschaft von Windturbinen haben kann. Auch wird der Vogelschutz mit dem verabschiedeten Papier unzureichend geschützt, und der Bund befasst sich nicht mit Ruhezonen für die Natur, trotz den Mitwirkungseingaben von zahlreichen Kantonen und Umweltverbänden.

Die Blindheit des Bundesrates in der Politik zur Windenergie ist nur durch die starke Lobby-Arbeit der Herstellern und Betreibern von geplanten Windturbinen zu erklären. Das Interesse der Promotoren am Zubau von Windturbinen sind einzig die verlockenden Subventionen. Der vorgesehene Zubau von 1000 Windkraftwerken in der Schweiz bedroht die Schweizer Landschaften, die Biodiversität und die Gesundheit der Anwohner. Die nächsten Jahre könnten für der Schweizer Natur furchtbare Konsequenzen haben!

Zur Pressemitteilung des Bundesrats: Link

Konzept Windenergie des Bundes

Ein unausgereiftes, rückständiges Projekt, das den Erwartungen der Bevölkerung nicht gerecht wird

Das Konzept Windenergie des Bundes schiesst am Ziel vorbei. Es liefert keine fundierten Antworten auf die Frage, ob die Schweiz aus Sicht der Landschaftsentwicklung den geplanten Bau von Windkraftanlagen an Standorten, die zu den intaktesten Naturräumen des Landes gehören, überhaupt verkraftet. Weiter lesen.

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