• Landschaft schützen! Pour un paysage durable

Landschaften und Naturräume

Unsere Landschaften und Erholungsräume sind in grosser Gefahr: Sie sollen durch hunderte industrielle Windkraftanlagen verbaut werden. Besonders betroffen sind die Kreten und Hochplateaus des Jurabogens von Basel bis ins Waadtland, der Kanton Bern, der Alpenraum, die Hügelgebiete des Mittellands und die Ostschweiz. In den intaktesten Regionen der Schweiz sollen grossflächige Industriezone entstehen. Wenn wir zusammenhalten, kann es uns gelingen, unseren Lebens- und Erholungsraum für künftige Generationen zu erhalten. Freie Landschaft Schweiz setzt sich für eine nachhaltige und wirklich umweltschonende Entwicklung ein.

Wer wir sind

Der Verband Freie Landschaft Schweiz (FLCH) und seine Mitglieder kämpfen für den Schutz vor der Industrialisierung unserer Schweizer Landschaften durch Windkraftanlagen. FLCH setzt sich ein für einen umfassenden Schutz von Landschaft, Flora und Fauna sowie unserer Gesundheit. FLCH fordert eine sachliche, fundierte Diskussion in Gesellschaft und Politik über die Zukunft unserer Energieversorgung, die Problematik der Zersiedelung und der Raumplanung sowie über die Gewährleistung der demokratischen Mitsprache.

Mehr Schaden als Nutzen

Stromproduzenten und mächtige, subventionierte Windkraftlobbyisten wie Suisse Eole rühren die Werbetrommel für die Windenergie. Tatsache ist, dass das Potenzial der Windenergie in keinem Verhältnis zu den Schäden steht, die sie der Landschaft, der Gesundheit der Anwohner und der Fauna zufügt. Im Gegensatz zu anderen flexiblen und leistungsfähigen Energiequellen wie etwa die Wasserkraft kann die Windenergie keine sichere und nachhaltige Energieversorgung gewährleisten. Windenergie stösst überall in der Bevölkerung auf Widerstand.

Die weitere Anerkennung der UNESCO-Welterbestätten La Chaux-de-Fonds – Le Locle und Reichenau am Rhein ist durch geplante Windparkprojekte in unmittelbarer Nähe auf den Gipfeln rund um den Vue-des-Alpes und auf dem Thurgauer Seerücken unmittelbar gefährdet. Im Wallis erfüllt das Hospiz des Grossen St. Bernhard, das seit 2016 auf der vorläufigen Liste des Bundes für die Ausschreibung zuhanden der UNESCO steht, aufgrund eines geplanten Windparkprojekts in Passnähe nicht mehr die Schutzbedingungen.

Windparkprojekt Reutenen TG mit Klosterinsel Reichenau

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sowie Freie Landschaft Schweiz warnen dringlich davor, Windkraftanlagen in der Nähe von UNESCO-Welterbestätten zu errichten. Die Bedrohung der Schutzgebiete ist sehr aktuell, im Kanton Thurgau und im Kanton Neuenburg schreitet die Planung von mehreren Projekten rasch voran. Auf dem Grossen St. Bernhard hat der Walliser Regierungsrat das Aufnahmegesuch zuhanden der UNESCO verunmöglicht, indem er die Einsprachen der Umweltverbände gegen einen Windpark beim Combe de Barasson in Passnähe abgewiesen hat.

Die Behörden des Landes Baden-Württemberg, in welchem sich die Klosterinsel Reichenau befindet, sind dermaßen besorgt, dass sich der Wirtschaftsminister direkt an Bern gewandt hat. Ebenso haben die Behörden von La-Chaux-de-Fonds – Le Locle das Bundesamt für Kultur diesbezüglich über die zuständige UNESCO-Expertenkommission kontaktiert. Diese Anfragen kommen zu einem ganz besonderen Zeitpunkt, da die beiden neuenburgischen Städte ab Ende Juni für ein Jahr den 10. Jahrestag der UNESCO-Eintragung des berühmten „urbanisme horloger“ feiern werden.

UNESCO Welterbestätte „Urbanisme horloger“ La Chaux-de-Fonds – Le Locle

Für die Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle sind die Pläne sehr konkret. In der Nähe sind drei Windparks geplant: Crêt Meuron (Tête de Ran), Montperreux (La Vue-des-Alpes) und La Joux-du-Plâne (Quatre Bornes), für insgesamt 27 Turbinen gemäss kantonaler Planung.

Das Baugesuch für den geplanten Windpark Crêt-Meuron und die öffentliche Auflage des Projekts Quatre Bornes könnten bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 erfolgen. Das Projekt Montperreux scheint “verspätet” zu sein, aber schreitet ebenso voran. Die Auswirkungen auf die Landschaft sind im Hinblick auf die UNESCO-Klassifizierung der beiden Städte erheblich und problematisch, da einige Anlagen weniger als 4 km von den zentralen Bereichen der Standorte entfernt stehen.

Rechts auf dem Bild: Windpark-Projekte auf dem Crêt-Meuron, Montperreux und La Joux-du-Plâne.
Links: in rot: Kernzone Welterbe La-Chaux-de-Fonds und Le Locle in blau: Pufferzone

Windpark Distanz zum Welterbe Abstand zur Pufferzone
Crêt-Meuron ~ 3.6 km ~ 1.6 km
Montperreux ~ 3.6 km ~ 1.5 km
La Joux-du-Plâne ~ 8 km ~ 5 km

 

 

Mont Saint-Michel – eine beispielhafte Reaktion

In Frankreich, wo 44 UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten eingetragen sind, darunter 39 Kulturgüter, hat das Umwelt-Ministerium Ausschlusszonen für Windenergie im Umkreis dieser Stätten eingerichtet. Diese Politik entstand nach der im Jahr 2011 aufgeworfenen Frage rund um das UNESCO-klassifizierte Gebiet des Mont-Saint-Michel, wo Windparkprojekte, die sich bis zu 25 km entfernt befinden, nach einem negativen Bericht einer UNESCO-Expertenmission eingestellt wurden.

Auch in Deutschland wurden trotz der erzwungenen Energiewende verschiedene Windparkprojekte aufgegeben, weil sie zu nahe an ikonischen Kultur- und Landschaftsbildern liegen. Gerade wegen dieser sensiblen Eigenschaften wurden diese Stätten zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Die Schweiz kann es sich nicht leisten, dieser kritischen Problematik ungenügende Aufmerksamkeit zu schenken. Die Umweltorganisationen fordern, dass den Risiken, die Windparkprojekte für die Nachhaltigkeit von klassifizierten Standorten darstellen, ernsthaft Rechnung getragen wird.

Der von Schweizer Grosswindkraftanlagen im Jahre 2018 produzierte Strom betrug 121 Gigawattstunden (GWh), das sind 7.97 Prozent weniger als 2017 (132 GWh). Der Anteil am gesamten Schweizer Stromverbrauch (61’900 GWh) beträgt 0.196%). Die Produktionszahlen sind auf wind-data.ch, einem im Auftrag des BFE betriebenen Portal zur Windenergie, veröffentlicht. Wir haben alle Anlagen in Windparks mit einer installierten Gesamtleistung von über einem Megawatt berücksichtigt (36 Anlagen, keine Änderung zum Vorjahr).

Entlebuch

(c) Pixabay

Der Kapazitätsfaktor (Vollaststunden pro Jahr, Auslastung) widerspiegelt das vorhandene Windpotential und lag 2018 bei durchschnittlich 18.4 Prozent (Vorjahr 19.2%). Am unteren Ende der Skala präsentiert sich wie schon im Vorjahr der Windpark Gries auf dem Nufenenpass, der höchstgelegener Windpark Europas. Er hatte eine Auslastung von sensationell niedrigen 6.4 Prozent (Vorjahr 9.5%). Wie die Medien jüngst berichteten, ist der Windpark in „finanzieller Schieflage“ (siehe hier). Die Betreiber hatten 13-14 GWh pro Jahr geplant, die Produktion 2018 liegt mit 5.3 GWh bei weniger als 40% des Plans. Noch schlechter als Gries waren nur die Windkraftanlagen Feldmoos/Rengg im Entlebuch mit einer Auslastung von 5.5 Prozent (Vorjahr 7.6%).

Am besten schnitten mit grossem Abstand wie in den Vorjahren die Windkraftanlagen im unteren Wallis ab, wo sich durch die Verengung des Tales eine Turbowirkung ergibt, die überdurchschnittlich gute Windverhältnisse zur Folge hat: Martigny 28.7%, Collonges 27.8% und Charrat 25.5%. Diese Anlagen sind jedoch Ausnahmen, keine andere Anlage schaffte es sonst deutlich über 20% Auslastung. Ohne die drei Anlagen im Wallis ergibt sich eine durchschnittliche Auslastung von 15.1 Prozent.

Ein Kapazitätsfaktor um die 20 Prozent liegt weit unterhalb der Grenze, die für eine effiziente und wirtschaftliche Nutzung der Windenergie erforderlich ist. Die Daten bestätigen wieder einmal, dass das Binnenland Schweiz nur Schwachwindverhältnisse aufweist, die sich nicht für Windstromproduktion eignen. Das Potential der Windenergie in der Schweiz ist insgesamt gering, realistische Schätzungen gehen von weniger als 2% der Stromproduktion aus. Windenergie kann damit keinen substantiellen Beitrag zur Stromversorgung leisten. Die Beeinträchtigungen von Landschaft, Mensch und Natur dagegen sind unverhältnismässig gross.

 

Der Verband Freie Landschaft Schweiz lanciert eine neue Plattform: www.windparks.ch. Das Portal bietet in Zukunft von allen geplanten Windkraftanlagen in der Schweiz realistische 3D-Visualisierungen mit drehenden Rotoren am Tag und roten Blinklichtern in der Nacht. Erstmals kann sich die Schweizer Bevölkerung ein realistisches Bild davon machen, was der Zubau der 850 geplanten Windkraftanlagen in der Schweiz bedeuten würde. Mit der Lancierung der Karte startet kommende Woche ein Crowdfunding zur Finanzierung der neuen Plattform.

Es sind rund 850 Anlagen, welche in der Schweiz konkret geplant sind. Die meisten Windkraftwerke sollen über 200m hoch sein (auf dem Lindenberg sind es 230m), das sind unvorstellbare Dimensionen. In der Schweiz gibt es bis jetzt keine solchen Anlagen, diejenigen auf dem Mont Crosin sind maximal 150m hoch und das höchste Gebäude der Schweiz 180m (Roche Tower, Basel).

Bis jetzt konnte sich niemand vorstellen, wie solche gigantischen Industrie-Türme an exponierten Stellen in der Schweiz wirklich aussehen. Tagsüber wirken die drehenden Rotoren mit einem Durchmesser von über 120m als Blickfang, nachts die roten Blinklichter (Flugsicherheit!) wie eine Weihnachtsbeleuchtung. Die Fotomontagen der Promotoren von Windparks zeigen die Turbinen nicht selten vor grell-weissem Himmel oder hinter Bäumen, Zäunen und weidenden Kühen, sodass die Turbinen geradezu niedlich oder gar nicht sichtbar wirken.

Freie Landschaft Schweiz publiziert heute nach einer einjährigen Vorbereitungsphase das neue Portal www.windparks.ch. Darauf werden in Zukunft alle geplanten Windturbinen in der Schweiz auf realistischen 3D-Visualisierungen sichtbar sein. Aktuell befinden sich drei Videos auf dem Portal (Windparks LinthWind GL, Bavois VD sowie im Berner Oberland). In Kürze folgen weitere Visualisierungen der Windparks zwischen dem Chasseron und dem Creux du Van (VD / NE, über 60 Turbinen), im Val de Travers (NE, 40 Maschinen), auf dem Grenchenberg SO und viele weitere.

Für die Produktion der realistischen 3D-Visualisierungen wurde die Landschaft der Schweiz als dreidimensionales Oberflächenmodell realistisch nachgebildet. Der gemeinnützige Verband Freie Landschaft Schweiz hat dafür eine eigene Software-Kombination entwickelt, um die Geodaten des Bundesamtes für Landestopographie in ein reales Modell zu verwandeln. Alleine für den Kanton Waadt mussten über 90 Milliarden Einzelpunkte in ein Geländemodell verwandelt werden. Um eine hohe Leistung der Hardware zu garantieren, sind 16 performance-starke Prozessorkerne, eine der schnellsten Grafikkarten auf dem Markt und bis zu 512 GB Arbeitsspeicher notwendig.

Um die Kosten für die Entwicklung der Infrastruktur zu finanzieren, startet Freie Landschaft Schweiz kommende Woche auf dem Portal We Make it! ein Crowdfunding. Wir hoffen auf einen Betrag über 10’000 CHF, welcher innert Frist von 30 Tagen zusammenkommen soll.

Ein starkes Zeichen: Das Glarner Kantonsparlament sagt mit über 55% Nein zum Windpark LinthWind in der Linthebene (GL / SZ / SG). Dem FLCH-Verein LinthGegenWind ist es zu verdanken, dass die zahlreichen bedrohten Naturschutzgebiete im betroffenen Gebiet erhalten bleiben und das Tor zum Glarnerland nicht mit 200m-Türmen verschandelt wird. Grosse Windkraftanlagen in der Ostschweiz geraten immer weiter in Kritik.

(c) PLCH / FLCH

Nach einer intensiven Debatte entschied heute Nachmittag das Glarner Kantonsparlament mit 30 zu 24 Stimmen, dem Antrag des Regierungsrats zu folgen und den geplanten Windpark LinthWind aus dem Richtplan zu streichen. Damit ist die Industriezone rund um das Dorf Bilten in der Gemeinde Glarus-Nord definitiv vom Tisch.

Die CVP (!) stimmte geschlossen gegen den Windpark. Eine Mitte-Links-Opposition stemmte sich erfolglos für die Realisierung des gigantischen Industrie-Projektes mit 5 Windkraftanlagen (je 200m Höhe und total über 16‘000 Tonnen Bau-Material).

Es zeigt sich damit deutlich: Die Nutzung der Windenergie durch riesige industrielle Turbinen hat vor allem in der Ostschweiz keine Zukunft. Zu gross sind die Eingriffe in die Natur und Landschaft, zu stark die Immissionen auf Anwohnerinnen und Anwohner. Der verursachte Schaden an der Natur, Land-schaft und Gesundheit ist grösser als der Ertrag – nicht zu vergessen sind die Emissionen, welche beim Bau und bei der Entsorgung der Turbinen und der gigantischen, 2‘500 Tonnen schweren Stahlbeton-Fundamenten entstehen. Von Nachhaltigkeit kann keine Rede sein.

Der Windatlas 2016 ist auf der Website des BFE verschwunden. Anfang Februar hat das Bundesamt für Energie (BFE) den Windatlas 2019 publiziert und dazu behauptet, dass „gegenüber der Ausgabe von 2016 der Windatlas 2019 in den meisten Regionen leicht tiefere Windgeschwindigkeiten“ zeige. Ein Dokument von „energieSchweiz“ zum gleichen Thema offenbart aber die ganze Brisanz des neuen Windatlas. Die Wind-Werte im verschwundenen Vorgänger waren absichtlich hoch, um die Abstimmung über das neue Energiegesetz am 21. Mai 2017 zu gewinnen.

(c) Michael Gaida Pixabay

Die Medienmitteilung des BFE vom 7. Februar 2019 klingt so, als handle es sich um nur geringfügige Unterschiede, die sich gleichmässig über das ganze Land verteilen. Konsultiert man aber den am 28. November 2018 von „energieSchweiz“ herausgegebenen Bericht zur Aktualisierung des Wind-Atlas von 2016 („Windpotentialanalyse für Windatlas.ch – Jahresmittelwerte der modellierten Windgeschwindigkeit und Windrichtung“), so ergibt sich ein anderes Bild.

In den meisten Regionen ist die Windgeschwindigkeit 0.5 m/s geringer als im Windatlas 2016 ausgewiesen. In den mit Windenergie-Projekten reich bestückten Kantonen TG und VD liegen die Windgeschwindigkeiten aber sehr „deutlich tiefer“ (Zitat), ebenso im Süden des Kantons SG, im Norden des Kantons GR sowie im Misox, im westlichen Wallis und in Teilen des Kantons NE (S. 24).

„Es war bekannt, dass die Werte vom Windatlas 2016 in diesen Regionen zu hoch ausfielen. (…) Die zu hohen Windgeschwindigkeiten des Windatlas 2016 wurden in der Aktualisierung nach unten korrigiert. Aus Gründen des Datenschutzes wird keine Differenzenkarte gezeigt.“ (Zitate aus dem im Auftrag des BFE veröffentlichen Bericht von energieSchweiz.)

Der Datenschutz wird nun vorgehalten, um das Verschwinden des Windatlas 2016 zu rechtfertigen. Damit soll der Bevölkerung vorenthalten werden, dass die Werte im Windatlas 2016 absichtlich hoch waren, um das Potential der Windenergie in der Schweiz massiv zu übertreiben.

Unterschiede von 0.5 m/s oder etwas mehr mögen klein erscheinen. Für die Nutzung der Windenergie sind sie jedoch von grosser Bedeutung: Die Stromproduktion einer Windturbine nimmt bei der Abnahme der Windgeschwindigkeit mit der dritten Potenz ab. Rechnete man bisher bei einem Projekt mit Jahresmittelwerten von 5.5 bis 6.0 m/s und einer Produktion von 166 bis 216 GWh, so sind bei neu 5.0 bis 5.5 m/s nur noch 125 bis 166 GWh zu erwarten, d. h. die Produktion reduziert sich um 25%. Es gibt sogar Projekte, die mit einer Reduktion von 50% konfrontiert sind.

Der neue Windatlas 2019 enthält immer noch sehr hohe Unsicherheiten. Im Jura und den Voralpen liegt die Abweichung bei +/- 0.5m/s, im Mittelland bei 0.7m/s, im Alpenraum sogar bei 1.3m/s.

Wenn vermeintlich kleine – und vom BFE kleingeredete – Unterschiede so grosse Wirkung haben, drängen sich einige Fragen auf:

– Wie ist das Auf und Ab der Windgeschwindigkeiten von 2004 bis 2019 zu erklären?
– Warum ist der Windatlas 2016 aus dem Internet verschwunden, was Vergleiche mit dem Windatlas 2019 verunmöglicht?
– Warum wurde „vereinbart, die Standorte der verwendeten Windstatistiken geheimzuhalten“ (Zitat, S. 14)?
– Warum darf die Bevölkerung der Schweiz nicht wissen, wo es welche Unterschiede gibt?

Wer immer als Steuerzahler, als Stromkonsument oder gar als Anwohner eines Windparkprojekts von den Folgen unterschiedlicher Windmessungen betroffen ist, hat gemäss Öffentlichkeitsprinzip ein Anrecht auf die Offenlegung der Daten.

Zum Bericht energieSchweiz: Link
Zur Medienmitteilung des BFE: Link

Die Vernunft gewann in Court im Berner Jura. Die Einwohnerinnen und Einwohner lehnten den Bau des Windparks Montoz-Pré Richard gestern Montagabend mit 70% ab. Das Projekt ist beerdigt. Freie Landschaft Schweiz begrüßt dieses klare Signal zugunsten der Landschaft und für den Schutz unserer unversehrten Erholungsgebiete.

Gestern Montagabend besuchten 325 Einwohner die Gemeindeversammlung, um über das Windparkprojekt Montoz-Pré Richard abzustimmen. Die Abstimmung über die Nutzungsplanung war ein wesentlicher Schritt für den Projektierer Energie Service Biel, um das Windparkprojekt fortzusetzen. Nach vielen Stunden Debatte wurde ein klarer Entscheid gefällt: 70% der Teilnehmenden (222) sagten Nein zu einer Windkraftindustriezone auf der zweiten Jurakette.

Das Projekt sah die Installation von 7 Windturbinen vor, die eine Höhe von 200 Metern erreichen würden, viel höher als die bereits in Betrieb befindlichen Turbinen im Jurabogen. Mit den sechs geplanten zusätzlichen Anlagen auf dem benachbarten Grenchenberg wäre ein industrielles Energieproduktionsgebiet mit 13 Anlagen entstanden.

Die Abstimmung der Gemeindeversammlung zeigt deutlich die fehlende Akzeptanz der Bevölkerung, ihre Lebensumwelt für eine zufällig produzierende Energiequelle mit einem lächerlichen Ertrag zu opfern. Es sind umweltfreundlichere Alternativen wie Biomasse oder Solarenergie, welche die Bevölkerung befürwortet. Windkraftanlagen wären sehr kostspielig, würden die Zersiedelung weiter vorantreiben und bedeuten die Industrialisierung unserer Landschaften. Ausserdem ist der Rückbau von Windturbinen ungelöst.

Der Entscheid zeigt auch, dass die Bevölkerung nicht bereit ist, ihre letzten Erholungsräume zu opfern. In einem immer stressigeren und anspruchsvolleren wirtschaftlichen Umfeld werden Orte der Entspannung immer wichtiger, an denen man sich auftanken und Aktivitäten in der freien Natur ausüben kann. Die jüngste Mobilisierung gegen den Klimaschutz zeigt auch, dass junge Menschen sich Sorgen um die noch vorhandenen Ressourcen machen und den Umweltschutz stark befürworten.

Jetzt liegt die Wahrheit auf dem Tisch: Die Schweiz ist kein Windland. Das Bundesamt für Energie hat den neuen Windatlas 2019 publiziert. Obwohl gegenüber dem Windatlas 2016 vier Mal mehr Messstationen berücksichtigt wurden, gibt es in der Schweiz plötzlich kaum mehr Wind.  Damit ist klar: Das Bundesamt für Energie hat den Windatlas im Vorfeld der Abstimmung über die Energiestrategie getunt und ein massiv zu hohes Windvorkommen in der Schweiz prognostiziert.

Das Bundesamt für Energie BFE arbeitet eng mit den Mitgliedern der Windlobby Suisse Eole zusammen. Für die Erstellung des Windatlas des Bundes ist die Firma MeteoTest aus Bern zuständig, welche bei zahlreichen Windparkprojekten miteinbezogen wird und finanziell von Aufträgen profitiert. Es war daher keine Überraschung, dass der Windatlas 2016 plötzlich massiv mehr Windressourcen in der Schweiz versprach als die Windkarten von 2004, 2007 und 2011.

Jetzt kam die Kehrtwende. Die 37 Schweizer Windturbinen, welche einen Nutzungsgrad von nur 17.8% haben, dürften das Bundesamt zur Einsicht gebracht haben, dass die 2016 prognostizierten Windressourcen gar nicht vorhanden sind. Im neuen Windatlas sind vier Mal weniger Gebiete mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten über 5.5m/s vorhanden (gegenüber 2016).

Das Ziel von 4.3 TWh jährlicher Stromproduktion durch Windkraft liesse sich nicht mit 800 Turbinen erreichen, dafür bräuchte die Schweiz weit über 1000 grosse Windturbinen.  Notabene liessen sich diese Anlagen ohne Subventionen aufgrund der schwachen Windverhältnisse gar nicht wirtschaftlich betreiben, weshalb pro  Jahr eine Milliarde Franken Subventionen nötig wären.

Der neue Windatlas stellt alle geplanten Windkraftprojekte in der Schweiz infrage. Der Windatlas 2016 war politisch motiviert und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Freie Landschaft Schweiz fordert die nationale Politik auf, das Abenteuer Windenergie in der Schweiz abzubrechen.

Zum Windatlas: Link

Der SRF-Ombudsmann Roger Blum unterstützt eine Beschwerde von Freie Landschaft Schweiz und des Vereins Les Travers du Vent, welche sich gegen zwei im Januar 2019 ausgestrahlte SRF-Sendungen betreffend des Windprojekts Montagne de Buttes im Kanton Neuenburg richtete. Die journalistische Arbeit gebe die Realität nicht ausreichend wieder. Da das Schweizer Radio es vermied, den Gegnern eine Stimme zu geben, habe es ein verzerrtes Bild von diesem gigantischen 19-Turbinen-Windprojekt gemalt: Es sei zu Unrecht eine „eitel Minne“ dargestellt worden, dass die Bevölkerung und die Umweltorganisationen einstimmig dafür seien.

Copyright SRF Oscar Alessio

Die beiden Organisationen haben eine lange Reihe von Mängeln bei den beiden Radio-Sendungen eingereicht. Erstens brachten sie eine irreführende Analyse der Situation vor, welche die Situation so darstelle, als gäbe es keine Opposition gegen das porträtierte Projekt. In Realität gab es über 1300 Einsprachen gegen den Windpark, unter anderem von zwei nationalen Umweltverbänden. Die Bevölkerung des Val-de-Travers, wo die 19 Turbinen geplant sind, ist tief gespalten.

Die Beschwerdeführenden kritisierten, dass die beiden SRF-Sendungen nur einem Anwohner eine Stimme gaben, der für das Projekt ist. Bei mehr als einem Viertel der geplanten Windturbinen ist es nämlich so, dass er und seine Familie mehrere 10‘000 Franken pro Jahr an Subventionen erhalten würden. Schließlich bemängelten Freie Landschaft Schweiz und Les Travers du Vent die irreführenden Behauptungen der Projektträger über die guten Windverhältnisse, welche von der Redaktion nicht überprüft wurden.

Der Bericht des Ombudsmann ist eindeutig: Indem die Sendungen den Eindruck erwecken, dass das Windpark-Projekt einstimmig unterstützt werde (man habe gemäss dem Bericht die Kritiker einbinden können und die Umweltverbände ziehen an einem Strick), sei das Sachgerechtigkeitsgebot verletzt worden. Die beiden Sendungen hätten nicht die Realität wiedergegeben.

Freie Landschaft Schweiz ist es gewohnt, dass über die Windenergie in den Medien verzerrt berichtet wird. Der Verband setzte sich bereits im Sommer 2017 bei der SRF-Schlichtungsstelle durch. Die Argumente der Wind-Lobby werden regelmässig nicht als parteiische Positionen, sondern als sachliche Informationen dargestellt. Die Motive des Landschaftsschutzes werden im Gegenteil automatisch als querulatorisch abgetan.

Freie Landschaft Schweiz und der Verein Les Travers du Vent bedauern den Mangel an kritischer Distanz zur Windenergie und zur Windlobby, welche für ihre eigenen finanziellen Interessen und die ihrer Mitgliedsunternehmen handelt. Damit sich die Öffentlichkeit eine eigene Meinung bilden kann, sollen die Medien beiden Seiten die gleiche Plattform bieten.

Zu den Sendungen:

Trend, 19.01.2019, «Wind-Energie – viel Potential liegt noch brach»
Echo der Zeit, 27.01.2019, «Windkraft und Naturschutz – geht das zusammen?»

Mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) soll der Strommarkt neu organisiert werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen und die Integration erneuerbarer Energien in den Markt zu fördern. Der Revisionsentwurf verfehlt seine Ziele deutlich und setzt unser Land und unsere Wirtschaft einer zunehmenden Gefahr von Stromausfällen aus.

(c) Julita Pixabay

Die Gesetzgebung in der Energiepolitik ist seit mehr als einem Jahrzehnt im permanenten Revisionsmodus. Sobald eine Gesetzesänderung verabschiedet ist, wird die nächste eingeleitet. Die Energieversorgung, die auf kapitalintensiven und langfristigen Investitionen basiert, kann sich so nicht in einem stabilen Rahmen entwickeln. Die zentrale Herausforderung der heutigen Energiepolitik ist die Versorgungssicherheit des Landes mit Strom, was ernsthaft gefährdet ist.

Die Überarbeitung des StromVG bietet keine realistischen Lösungen für die Probleme. Die Annahmen im Erläuterungsbericht sind höchst fragwürdig. So sind zum Beispiel die Schätzungen über den Ausbau der Erneuerbaren deutlich übertrieben. Darüber hinaus sind die Bereitschaft der Nachbarländer, Strom zu liefern, und der Abschluss eines Stromabkommens mit der EU alles andere als sicher.

Die Bevölkerungszunahme und der ansteigende Stromverbrauch im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 (Elektromobilität usw.) ist hingegen sicher und erfordert sowohl eine hohe Produktionskapazität als auch eine Produktionsinfrastruktur, die in der Lage ist, flexibel zu produzieren und schnell auf Marktbedürfnisse zu reagieren. Die Gesetzesrevision bietet jedoch keine Lösung zur Stabilisierung des Netzes, wenn Sonne und Wind unregelmässig Energie liefern. Die Kapazität der Schweizer Speicherseen reicht nur für wenige Stunden oder Tage. Was Biomasse und Geothermie betrifft, ist völlig unklar, ob und wie viel Bandenergie sie in einigen Jahren liefern können.

Die Hoffnung der Energiestrategie, mit Windenergie die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, zeichnet sich zunehmend als nicht realistisch ab. Windkraftanlagen können weder vorhersehbar noch flexibel produzieren. Weder kurz- noch langfristig tragen sie zur Versorgungssicherheit bei. Diese Problematik wird durch den Entwurf des StromVG nicht gelöst.

Die SRF-Sendung “Kassensturz” berichtete gestern Abend, 11. Dezember, über die kritischen Investitionen der BKW und Credit Suisse in norwegische Windparks. Der Beitrag zeigt eindrücklich: Nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland werden Windturbinen als “grün” bezeichnet, verursachen meist aber erheblichen Schaden an der Biodiversität. Dabei dienen die finanzierten Windparks im Ausland oft dazu, dass sich Schweizer Stromhändler und Investoren mit Zertifikaten und Beteiligungen an ausländischen Kraftwerken “reinwaschen” wollen. Ein Nullsummenspiel mit schweren Folgen!

(c) Einar Storsul

Die Bernischen Kraftwerke BKW und die Grossbank Credit Suisse sind beide finanziell an einem Windpark in Norwegen beteiligt, welcher gemäss dem gestrigen SRF-Kassensturz-Bericht schwere kulturelle und ökologische Nachteile mit sich bringt. So wird das indigene Volk der Südsamen, welche in Norwegen traditionelle Rentierzucht betreiben, enteignet und verdrängt.

Auch wenn Windturbinen nur schmale Masten haben, verursachen sie massive Immissionen (Lärm, Schatten, Sichtbarkeit, nächtliche rote Beleuchtung) und ziehen den Bau von Strassen, Stromleitungen und Trafostationen mit sich. Daher verwandeln die gigantischen Windkraftanlagen ganze Gebiete in Industriezonen. Das ist nicht nur in Norwegen so, sondern auch in der Schweiz, welche mit ihrer kleingliedrigen Topographie dem skandinavischen Land ähnlich ist.

Dank der Schweizerischen Demokratie ist es möglich, dass sich Bund, Kantone, Gemeinden und die Bevölkerung zu geplanten Neubauten äussern und auch mitbestimmen können. Gerade bei Enteignungen gibt es strenge Regeln. Langfristige Eingriffe müssen erst umfangreich legitimiert werden und haben hohe Hürden zu überwinden.

Für Schweizer Investoren ist es deshalb interessant, in ausländische Windparks zu investieren, wo die demokratischen Hürden niedriger sind und die Effizienz der Windturbinen meist doppelt so hoch als im Schwachwindland Schweiz. Die Investoren tun dies mit der Absicht, ihre Stromimporte (vorwiegend aus deutschen Kohle- und französischen Atomkraftwerken) reinzuwaschen, indem sie ausweisen, sie würden die gleiche Strommenge übers Jahr in skandivischen Kraftwerken produzieren lassen. Doch diese Absicht greift zu kurz: Denn bei schwachem Wind oder Flaute stammt der Strom so oder so aus Bandenergie-Kraftwerken, egal ob im Ausland oder in der Schweiz. Die Windturbinen tragen kaum zur Versorgungssicherheit bei. Das Bundesgericht hat 2016 im Fall Windpark Schwyberg FR festgehalten, dass auch berücksichtigt werden muss, ob Kraftwerke marktorientiert produzieren können. Das können grosse Windturbinen mit ihren 20% Effizienz in der Schweiz nicht.

Freie Landschaft Schweiz fordert die Investoren auf, in wirklich nachhaltige, erneuerbare Energieproduktionsformen zu investieren, welche die Stromversorgung jederzeit sicherstellen können – und in Stromsparmassnahmen. Energie, welche gar nicht verbraucht wird, bleibt immer noch die effizienteste.

Zur Sendung: Link

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