Neue Studie zeigt: Infraschall von Windkraftanlagen ist deutlich gefährlicher als angenommen

Viele Menschen, die in Frankreich und Deutschland in der Nähe von Windparks leben, berichten von zum Teil schwerwiegenden Gesundheitsproblemen: Kopfschmerzen, Tinnitus, Schlafstörungen, Schwindel, Übelkeit oder sogar Depressionen. Sie führen den Ursprung ihrer Symptome auf Infraschall zurück, das sind tieffrequente Töne, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Die Promotoren von Windkraftanlagen bestreiten den Einfluss des Infraschalls auf die menschliche Gesundheit haben können. Eine neue Studie im Auftrag von Freie Landschaft Schweiz bringt neue Elemente in die Debatte ein und beweist, dass der Bund das Problem dringend in Angriff nehmen muss.

Infraschall (c) Pixabay

In seiner Antwort auf die Interpellation von Nationalrat Jean-Pierre Grin (13.3113) vertrat der Bundesrat die Auffassung, dass die Infraschall-Emissionen von Windenergieanlagen unterhalb der Hör- oder Wahrnehmungsschwelle liegen und deshalb keine gesundheitlichen Auswirkungen haben. Der Bundesrat erklärte jedoch, dass er die Forschung über die Auswirkungen von Lärm im tieffrequenten Bereich aufmerksam verfolge und bei neuen Entwicklungen geeignete Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vorschlagen werde.

Eine neue, von Freie Landschaft Schweiz veröffentlichte Studie zeigt, dass das Problem des Infraschalls bisher bei der Planung von Windparks nicht angemessen berücksichtigt wurde. Der Bund muss diese Problematik so bald wie möglich wieder aufgreifen. Freie Landschaft Schweiz hat die Studie mit ihren Schlussfolgerungen den Bundesbehörden übermittelt. Diese sind angesichts der grossen Zahl von Windkraftprojekten, die in den nächsten zwei bis fünf Jahren gebaut werden könnten, nun aufgefordert, zum Schutz der Schweizer Bevölkerung sehr rasch zu handeln. Zurzeit stehen 12 Windparks mit rund 120 Turbinen in der Endphase des Bewilligungsprozesses.

Welche Erkenntnisse sind neu?

Die überwiegende Mehrheit der bisher vorhandenen Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen des von Windkraftanlagen abgestrahlten Infraschalls berücksichtigt nur die in der Luft gemessenen Emissionen. Das Problem liegt jedoch im Boden: Messungen in der Nähe mehrerer Windparks zeigen, dass sich Vibrationen im Bereich bis zu 20 Hz über den Boden weit von den Turbinen ausbreiten, manchmal mehrere Kilometer entfernt. Die Intensitätspegel, gemessen in Dezibel, sind in der Nähe einiger Parks sehr hoch. Zusätzlich zu diesen Pegeln können in Gebäuden Resonanzeffekte auftreten, welche die externe Schwingung je nach Liegenschaft um den Faktor 10 oder sogar 20 erhöhen. Diese so genannte Helmholtz-Resonanz erklärt, warum einige Bewohner stärker betroffen sind als andere.

Die Art des Untergrunds ist entscheidend: Der Lärmpegel ist in Gebieten mit hartem Untergrund, insbesondere Kalkstein, am höchsten. Die meisten der Schweizer Windparks, die in den nächsten Jahren gebaut werden könnten, befinden sich im Jurabogen auf Kalkstein.

Freie Landschaft Schweiz fordert den Bund auf, rasch zu handeln, um sicherzustellen, dass die Beschaffenheit des Untergrundes in den Baubewilligungsverfahren sorgfältig berücksichtigt wird. Auch die Justizbehörden werden aufgefordert, das Vorsorgeprinzip strikt anzuwenden, um die Anwohner vor schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen zu schützen. Ein Moratorium für den Bau neuer Windparks ist notwendig, solange keine angemessenen Maßnahmen auf gesetzlichem Weg festgelegt werden.

Zur Studie (Französisch): Link

Sonvilier lehnt Windpark Quatre Bornes ab – ein Signal an die Schweiz

Die Einwohner von Sonvilier haben ein Zeichen für die ganze Schweiz gesetzt: Mit der Ablehnung des Windparkprojekts “Quatre Bornes” zeigt die Gemeinde im Berner Jura, dass die Schweizer Bevölkerung diese gigantischen Industriezonen ablehnt, welche ihr Lebensumfeld zerstören und gleichzeitig riesige Subventionen verschlingen. Freie Landschaft Schweiz fordert die Bundesbehörden auf, die Energiestrategie 2050 zu überprüfen und einen Ausstiegsplan für die Windenergie auszuarbeiten.

Die zehn bis zu 207 Meter hohen Turbinen, die neben dem Chasseral geplant sind, werden nicht gebaut. Dies ist die heutige Entscheidung der Bevölkerung von Sonvilier, welche zeigt, dass sie nicht den emotionalen Argumenten der Projektierern erliegen wollte. Die Promotoren versprachen nichts weniger als Energieautonomie, die Rettung des Klimas und eine Verbesserung der Landschaft und der Biodiversität. Die Windkraft, die bereits in der ganzen Schweiz in Schwierigkeiten steckt, wird nun hart getroffen.

Der Entscheid von Sonvilier ist auch ein schwerer Schlag für den Promotor Groupe E Greenwatt, die mehrere Windkraftprojekte in der Schweiz plant, welche sich alle in einer kritischen Situation befinden. Seit Jahren werden riesige Geldsummen für Umweltverträglichkeitsprüfungen verschwendet, in denen versucht wird, den Behörden und der Bevölkerung weiszumachen, dass die Installation dieser gigantischen Türme ohne Belästigung und unter Einhaltung der Vorschriften erfolgen soll.

“Windkraftanlagen wurden bisher vor allem in der Deutschschweiz abgelehnt. Jetzt ist die Westschweiz an der Reihe, zu erkennen, dass es keinen triftigen Grund für den Bau dieser gigantischen Maschinen gibt”, sagt Elias Meier, Präsident von Freie Landschaft Schweiz. Zwischen den Subventionen für die Projektierer, den Schäden an der Landschaft und der Artenvielfalt sowie der Belästigung der Anwohner ist klar: Der Ausstieg aus der Atomenergie wird ohne die Windkraftanlagen auskommen müssen.

Freie Landschaft Schweiz fordert die Bundesbehörden auf, das Produktionsziel von 4 Terawattstunden pro Jahr, d. h. die gemäss Energiestrategie erforderlichen rund 1’000 Windturbinen zu überprüfen. Die Alternativen sind da: Photovoltaik und Biomasse, zusätzlich zum bereits bestehenden traditionellen Pfeiler der Schweizer Stromproduktion, der Wasserkraft. Die Photovoltaik kann schnell installiert werden, ist viel billiger, gibt keinen Anlass zu Opposition, kann vor Ort gespeichert werden und bietet darüber hinaus eine Einnahmequelle für lokale Unternehmen. “Windkraft ist eine alte Idee aus den 1990er Jahren; angesichts der zunehmenden Umweltbelastung durch diese immer grösseren Maschinen ist es vernünftig, eine umweltfreundlichere Stossrichtung zu wählen”, erklärt Generalsekretär Michel Fior.

Jüngste Studien bestätigen, dass ein Ausstieg aus der Atomenergie ohne Windturbinen durchaus möglich ist. Freie Landschaft Schweiz fordert eine Energiewende, welche die Menschen, die Umwelt und die von der Bundesverfassung geforderte Wirtschaftlichkeit respektiert.