Die Revision des Energiegesetzes gleicht einer Pinselrenovation

Die zukünftige Energieversorgung unseres Landes wird im Wesentlichen eine Versorgung mit Elektrizität sein. Sie sieht sich einer dreifachen Herausforderung gegenüber: Sie muss nicht nur eine den Jahresverbrauch insgesamt deckende Produktion, sondern auch die jederzeit ausreichende Verfügbarkeit der Elektrizität sicherstellen, und dies ausschliesslich mittels einheimischer erneuerbarer Energien.

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Wurde schon das 2017 totalrevidierte Energiegesetz (EnG) dieser Herausforderung nicht gerecht, so vermag auch die derzeitige Teilrevision bestenfalls kosmetische Verbesserungen zu erzielen. Der Fokus des EnG liegt weiterhin auf der Sicherstellung der Jahresproduktion. Das Problem der jederzeitigen Verfügbarkeit ist und bleibt ungelöst, solange die Speichermöglichkeiten für die unregelmässig anfallende Solar- und Windenergie fehlen. Wäre das EnG ein Gebäude, so müsste man die geplante Teilrevision als Pinselrenovation bezeichnen. Soll das EnG seine im Zweckartikel formulierten Ziele erreichen können, sind fundamentale Verbesserungen nötig. Freie Landschaft Schweiz stellt dazu mehrere Anträge, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

Elektrizität ist die Energieform der Zukunft. Deshalb macht eine Revision des EnG nur Sinn, wenn sie gemeinsam mit der ebenfalls anstehenden Revision des Stromversorgungsgesetzes erfolgt.

Elektrische Energie kann und soll im Inland produziert werden. Importe aus dem Ausland werden je länger je weniger möglich sein. Weil die stetige Verfügbarkeit von genügend Strom unabdingbar ist, muss das EnG die Produktion und die Speicherung von Strom gleichermassen fördern.

Elektrizität kann nicht nur produziert und gespeichert werden – es ist auch möglich, sie einzusparen! Leitgedanke des EnG scheint indessen zu sein, den bisherigen Verbrauch inskünftig statt mit atomar-fossiler Energie einfach mit einheimischen erneuerbaren Energien zu decken. Ein zukunftsweisendes EnG muss nebst Energieproduktion und -speicherung auch verbrauchssenkende Massnahmen in den Fokus nehmen, auch bei der Elektrizität.

Der von der Revision nicht tangierte Zweckartikel des EnG fordert u.a. eine «wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung». Die Revision des EnG trägt diesen Forderungen zu wenig Rechnung, da das alte Einspeisevergütungs-System beibehalten werden und ein neues Einmalvergütungs-System zusätzlich eingeführt werden soll. Das ist nicht wirtschaftlich und fördert auch umweltschädliche Technologien wie die Windkraft.

Es geht nicht an, mit der bestehenden Einspeisevergütung ein Subventionssystem bis 2043 beizubehalten, das für 4.3 TWh/Jahr Windenergie 18 Milliarden CHF bezahlen müsste, während man mit dem gleichen Betrag 6.5 TWh/Jahr Solarenergie finanzieren könnte. Es drängt sich deshalb auf, den Einspeisevergütungs-Fonds vollumfänglich in einen neuen Fonds für Einmal-vergütungen umzuwandeln. Damit inbegriffen sollen auch alle Windturbinen sein, die noch nach der alten Regelung Einspeisevergütungen zugesprochen hätten.

Nicht nur der Zweckartikel des EnG, sondern selbst die Bundesverfassung verlangt eine umweltverträgliche Energiepolitik (BV Art. 89). Umweltverträglichkeit beschränkt sich nicht darauf, atomare Abfälle zu vermeiden und den CO2-Ausstoss zu verringern. Umweltverträglichkeit beinhaltet auch den Schutz von Landschaft und Biodiversität. Freie Landschaft Schweiz besteht deshalb darauf, dass das EnG nur solche Energie-Anlagen fördert, welche die Bestimmungen des Gewässerschutzgesetzes sowie des Natur- und Heimatschutzgesetzes uneingeschränkt respektieren.

Zur Stellungnahme: Link

Den Planeten ohne Windturbinen retten

Gemäss einer gestern veröffentlichten wissenschaftlichen Studie kann die Schweiz die Ziele des Pariser Klima-Abkommens mit einfachen Massnahmen und nur mit Solarenergie erreichen. Die Energiewende ist somit ohne Beeinträchtigung der Landschaft und der Biodiversität möglich. Der Einsatz von Windkraftanlagen ist heute unnötig und sogar kontraproduktiv. Freie Landschaft Schweiz (FLCH) begrüsst diese Einsicht und fordert ein “Reset” der Energiestrategie 2050.

(c) Pixabay

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Die Zahlen der Studie 2019 über den Energieverbrauch von PlusEnergieBau-Gebäuden zeigen, dass die Überschüsse der solaren Stromerzeugung in Kombination mit Pumpspeicherkraftwerken mehr als ausreichen, um den gesamten Gebäude- und Verkehrssektor in der Schweiz mit CO2-neutralem Strom zu versorgen. Solardächer würden den CO2-Ausstoß um 90% reduzieren!

Diese als einfach bezeichneten Maßnahmen zeigen, dass die Energiestrategie 2050 einen falschen Ansatz gewählt hat. Die Studie belegt damit, dass dank der Solarenergie

– nahezu alle CO2-Emissionen eliminiert werden können;
– der Ausstieg aus der Kernenergie gewährleistet ist;
– und damit die Landschaft und die Biodiversität vollständig erhalten bleiben.

Der Verband Freie Landschaft Schweiz (FLCH) sieht eine Reihe weiterer Vorteile für einen Paradigmenwechsel bei der Energiewende:

– Die Subventionen (Einspeisevergütungen) für Solaranlagen betragen fast nur noch die Hälfte der Subventionen für Windkraftanlagen.
– Mit dem Fokus auf Solarenergie sind Schweizer KMU und nicht deutsche Windkraftanlagenhersteller am Werk.

Diese Energiewende kann daher positive Auswirkungen auf die Wirtschaft, den Klimaschutz und den Ausstieg aus der Atomenergie haben.

Die gestern veröffentlichte Studie steht im Einklang mit dem Marshallplan der Sozialdemokratischen Partei für die Energiewende: die Nutzung der Windenergie fehlt völlig, was deren Nutzlosigkeit zeigt. FLCH begrüsst diesen Richtungswechsel und lädt die neue Vorsteherin des Eidgenössischen Energiedepartements ein, den Plan in ihren Departementen umzusetzen.

Ein “Reset” der Energiestrategie 2050 ebnet den Weg für eine umweltfreundliche Energiewende. Für den Einsatz von Windkraftanlagen gibt es keine Rechtfertigung mehr. Es scheint, als sei der Traum einer windigen Energieversorgung bereits geplatzt.

Zur Studie: Link

 

2018: ein schlechtes Jahr für die Windenergie-Produktion in der Schweiz

Der von Schweizer Grosswindkraftanlagen im Jahre 2018 produzierte Strom betrug 121 Gigawattstunden (GWh), das sind 7.97 Prozent weniger als 2017 (132 GWh). Der Anteil am gesamten Schweizer Stromverbrauch (61’900 GWh) beträgt 0.196%). Die Produktionszahlen sind auf wind-data.ch, einem im Auftrag des BFE betriebenen Portal zur Windenergie, veröffentlicht. Wir haben alle Anlagen in Windparks mit einer installierten Gesamtleistung von über einem Megawatt berücksichtigt (36 Anlagen, keine Änderung zum Vorjahr).

Entlebuch

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Der Kapazitätsfaktor (Vollaststunden pro Jahr, Auslastung) widerspiegelt das vorhandene Windpotential und lag 2018 bei durchschnittlich 18.4 Prozent (Vorjahr 19.2%). Am unteren Ende der Skala präsentiert sich wie schon im Vorjahr der Windpark Gries auf dem Nufenenpass, der höchstgelegener Windpark Europas. Er hatte eine Auslastung von sensationell niedrigen 6.4 Prozent (Vorjahr 9.5%). Wie die Medien jüngst berichteten, ist der Windpark in „finanzieller Schieflage“ (siehe hier). Die Betreiber hatten 13-14 GWh pro Jahr geplant, die Produktion 2018 liegt mit 5.3 GWh bei weniger als 40% des Plans. Noch schlechter als Gries waren nur die Windkraftanlagen Feldmoos/Rengg im Entlebuch mit einer Auslastung von 5.5 Prozent (Vorjahr 7.6%).

Am besten schnitten mit grossem Abstand wie in den Vorjahren die Windkraftanlagen im unteren Wallis ab, wo sich durch die Verengung des Tales eine Turbowirkung ergibt, die überdurchschnittlich gute Windverhältnisse zur Folge hat: Martigny 28.7%, Collonges 27.8% und Charrat 25.5%. Diese Anlagen sind jedoch Ausnahmen, keine andere Anlage schaffte es sonst deutlich über 20% Auslastung. Ohne die drei Anlagen im Wallis ergibt sich eine durchschnittliche Auslastung von 15.1 Prozent.

Ein Kapazitätsfaktor um die 20 Prozent liegt weit unterhalb der Grenze, die für eine effiziente und wirtschaftliche Nutzung der Windenergie erforderlich ist. Die Daten bestätigen wieder einmal, dass das Binnenland Schweiz nur Schwachwindverhältnisse aufweist, die sich nicht für Windstromproduktion eignen. Das Potential der Windenergie in der Schweiz ist insgesamt gering, realistische Schätzungen gehen von weniger als 2% der Stromproduktion aus. Windenergie kann damit keinen substantiellen Beitrag zur Stromversorgung leisten. Die Beeinträchtigungen von Landschaft, Mensch und Natur dagegen sind unverhältnismässig gross.

 

Die Revision des Stromversorgungsgesetzes verfehlt das Ziel

Mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) soll der Strommarkt neu organisiert werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen und die Integration erneuerbarer Energien in den Markt zu fördern. Der Revisionsentwurf verfehlt seine Ziele deutlich und setzt unser Land und unsere Wirtschaft einer zunehmenden Gefahr von Stromausfällen aus.

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Die Gesetzgebung in der Energiepolitik ist seit mehr als einem Jahrzehnt im permanenten Revisionsmodus. Sobald eine Gesetzesänderung verabschiedet ist, wird die nächste eingeleitet. Die Energieversorgung, die auf kapitalintensiven und langfristigen Investitionen basiert, kann sich so nicht in einem stabilen Rahmen entwickeln. Die zentrale Herausforderung der heutigen Energiepolitik ist die Versorgungssicherheit des Landes mit Strom, was ernsthaft gefährdet ist.

Die Überarbeitung des StromVG bietet keine realistischen Lösungen für die Probleme. Die Annahmen im Erläuterungsbericht sind höchst fragwürdig. So sind zum Beispiel die Schätzungen über den Ausbau der Erneuerbaren deutlich übertrieben. Darüber hinaus sind die Bereitschaft der Nachbarländer, Strom zu liefern, und der Abschluss eines Stromabkommens mit der EU alles andere als sicher.

Die Bevölkerungszunahme und der ansteigende Stromverbrauch im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 (Elektromobilität usw.) ist hingegen sicher und erfordert sowohl eine hohe Produktionskapazität als auch eine Produktionsinfrastruktur, die in der Lage ist, flexibel zu produzieren und schnell auf Marktbedürfnisse zu reagieren. Die Gesetzesrevision bietet jedoch keine Lösung zur Stabilisierung des Netzes, wenn Sonne und Wind unregelmässig Energie liefern. Die Kapazität der Schweizer Speicherseen reicht nur für wenige Stunden oder Tage. Was Biomasse und Geothermie betrifft, ist völlig unklar, ob und wie viel Bandenergie sie in einigen Jahren liefern können.

Die Hoffnung der Energiestrategie, mit Windenergie die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, zeichnet sich zunehmend als nicht realistisch ab. Windkraftanlagen können weder vorhersehbar noch flexibel produzieren. Weder kurz- noch langfristig tragen sie zur Versorgungssicherheit bei. Diese Problematik wird durch den Entwurf des StromVG nicht gelöst.