Neue Studie zeigt: Infraschall von Windkraftanlagen ist deutlich gefährlicher als angenommen

Viele Menschen, die in Frankreich und Deutschland in der Nähe von Windparks leben, berichten von zum Teil schwerwiegenden Gesundheitsproblemen: Kopfschmerzen, Tinnitus, Schlafstörungen, Schwindel, Übelkeit oder sogar Depressionen. Sie führen den Ursprung ihrer Symptome auf Infraschall zurück, das sind tieffrequente Töne, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Die Promotoren von Windkraftanlagen bestreiten den Einfluss des Infraschalls auf die menschliche Gesundheit haben können. Eine neue Studie im Auftrag von Freie Landschaft Schweiz bringt neue Elemente in die Debatte ein und beweist, dass der Bund das Problem dringend in Angriff nehmen muss.

Infraschall (c) Pixabay

In seiner Antwort auf die Interpellation von Nationalrat Jean-Pierre Grin (13.3113) vertrat der Bundesrat die Auffassung, dass die Infraschall-Emissionen von Windenergieanlagen unterhalb der Hör- oder Wahrnehmungsschwelle liegen und deshalb keine gesundheitlichen Auswirkungen haben. Der Bundesrat erklärte jedoch, dass er die Forschung über die Auswirkungen von Lärm im tieffrequenten Bereich aufmerksam verfolge und bei neuen Entwicklungen geeignete Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vorschlagen werde.

Eine neue, von Freie Landschaft Schweiz veröffentlichte Studie zeigt, dass das Problem des Infraschalls bisher bei der Planung von Windparks nicht angemessen berücksichtigt wurde. Der Bund muss diese Problematik so bald wie möglich wieder aufgreifen. Freie Landschaft Schweiz hat die Studie mit ihren Schlussfolgerungen den Bundesbehörden übermittelt. Diese sind angesichts der grossen Zahl von Windkraftprojekten, die in den nächsten zwei bis fünf Jahren gebaut werden könnten, nun aufgefordert, zum Schutz der Schweizer Bevölkerung sehr rasch zu handeln. Zurzeit stehen 12 Windparks mit rund 120 Turbinen in der Endphase des Bewilligungsprozesses.

Welche Erkenntnisse sind neu?

Die überwiegende Mehrheit der bisher vorhandenen Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen des von Windkraftanlagen abgestrahlten Infraschalls berücksichtigt nur die in der Luft gemessenen Emissionen. Das Problem liegt jedoch im Boden: Messungen in der Nähe mehrerer Windparks zeigen, dass sich Vibrationen im Bereich bis zu 20 Hz über den Boden weit von den Turbinen ausbreiten, manchmal mehrere Kilometer entfernt. Die Intensitätspegel, gemessen in Dezibel, sind in der Nähe einiger Parks sehr hoch. Zusätzlich zu diesen Pegeln können in Gebäuden Resonanzeffekte auftreten, welche die externe Schwingung je nach Liegenschaft um den Faktor 10 oder sogar 20 erhöhen. Diese so genannte Helmholtz-Resonanz erklärt, warum einige Bewohner stärker betroffen sind als andere.

Die Art des Untergrunds ist entscheidend: Der Lärmpegel ist in Gebieten mit hartem Untergrund, insbesondere Kalkstein, am höchsten. Die meisten der Schweizer Windparks, die in den nächsten Jahren gebaut werden könnten, befinden sich im Jurabogen auf Kalkstein.

Freie Landschaft Schweiz fordert den Bund auf, rasch zu handeln, um sicherzustellen, dass die Beschaffenheit des Untergrundes in den Baubewilligungsverfahren sorgfältig berücksichtigt wird. Auch die Justizbehörden werden aufgefordert, das Vorsorgeprinzip strikt anzuwenden, um die Anwohner vor schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen zu schützen. Ein Moratorium für den Bau neuer Windparks ist notwendig, solange keine angemessenen Maßnahmen auf gesetzlichem Weg festgelegt werden.

Zur Studie (Französisch): Link

Die Revision des Energiegesetzes gleicht einer Pinselrenovation

Die zukünftige Energieversorgung unseres Landes wird im Wesentlichen eine Versorgung mit Elektrizität sein. Sie sieht sich einer dreifachen Herausforderung gegenüber: Sie muss nicht nur eine den Jahresverbrauch insgesamt deckende Produktion, sondern auch die jederzeit ausreichende Verfügbarkeit der Elektrizität sicherstellen, und dies ausschliesslich mittels einheimischer erneuerbarer Energien.

(c) Analogicus

Wurde schon das 2017 totalrevidierte Energiegesetz (EnG) dieser Herausforderung nicht gerecht, so vermag auch die derzeitige Teilrevision bestenfalls kosmetische Verbesserungen zu erzielen. Der Fokus des EnG liegt weiterhin auf der Sicherstellung der Jahresproduktion. Das Problem der jederzeitigen Verfügbarkeit ist und bleibt ungelöst, solange die Speichermöglichkeiten für die unregelmässig anfallende Solar- und Windenergie fehlen. Wäre das EnG ein Gebäude, so müsste man die geplante Teilrevision als Pinselrenovation bezeichnen. Soll das EnG seine im Zweckartikel formulierten Ziele erreichen können, sind fundamentale Verbesserungen nötig. Freie Landschaft Schweiz stellt dazu mehrere Anträge, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

Elektrizität ist die Energieform der Zukunft. Deshalb macht eine Revision des EnG nur Sinn, wenn sie gemeinsam mit der ebenfalls anstehenden Revision des Stromversorgungsgesetzes erfolgt.

Elektrische Energie kann und soll im Inland produziert werden. Importe aus dem Ausland werden je länger je weniger möglich sein. Weil die stetige Verfügbarkeit von genügend Strom unabdingbar ist, muss das EnG die Produktion und die Speicherung von Strom gleichermassen fördern.

Elektrizität kann nicht nur produziert und gespeichert werden – es ist auch möglich, sie einzusparen! Leitgedanke des EnG scheint indessen zu sein, den bisherigen Verbrauch inskünftig statt mit atomar-fossiler Energie einfach mit einheimischen erneuerbaren Energien zu decken. Ein zukunftsweisendes EnG muss nebst Energieproduktion und -speicherung auch verbrauchssenkende Massnahmen in den Fokus nehmen, auch bei der Elektrizität.

Der von der Revision nicht tangierte Zweckartikel des EnG fordert u.a. eine «wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung». Die Revision des EnG trägt diesen Forderungen zu wenig Rechnung, da das alte Einspeisevergütungs-System beibehalten werden und ein neues Einmalvergütungs-System zusätzlich eingeführt werden soll. Das ist nicht wirtschaftlich und fördert auch umweltschädliche Technologien wie die Windkraft.

Es geht nicht an, mit der bestehenden Einspeisevergütung ein Subventionssystem bis 2043 beizubehalten, das für 4.3 TWh/Jahr Windenergie 18 Milliarden CHF bezahlen müsste, während man mit dem gleichen Betrag 6.5 TWh/Jahr Solarenergie finanzieren könnte. Es drängt sich deshalb auf, den Einspeisevergütungs-Fonds vollumfänglich in einen neuen Fonds für Einmal-vergütungen umzuwandeln. Damit inbegriffen sollen auch alle Windturbinen sein, die noch nach der alten Regelung Einspeisevergütungen zugesprochen hätten.

Nicht nur der Zweckartikel des EnG, sondern selbst die Bundesverfassung verlangt eine umweltverträgliche Energiepolitik (BV Art. 89). Umweltverträglichkeit beschränkt sich nicht darauf, atomare Abfälle zu vermeiden und den CO2-Ausstoss zu verringern. Umweltverträglichkeit beinhaltet auch den Schutz von Landschaft und Biodiversität. Freie Landschaft Schweiz besteht deshalb darauf, dass das EnG nur solche Energie-Anlagen fördert, welche die Bestimmungen des Gewässerschutzgesetzes sowie des Natur- und Heimatschutzgesetzes uneingeschränkt respektieren.

Zur Stellungnahme: Link

Das neue Landschaftskonzept des Bundes kennt keine grossen Windturbinen

Soeben hat der Bundesrat das neue Landschaftskonzept beschlossen. Das Papier steckt die Stossrichtung des Bundes ab, um die Schweizer Landschaften zu schonen und Konflikte möglichst zu vermeiden. Bemerkenswert: Das Thema Windenergie kommt im Landschaftskonzept gar nicht vor. Freie Landschaft Schweiz begrüsst diesen Ansatz, denn die Zukunft liegt in einer Energieversorgung mit Anlagen, die unsere Landschaft nicht weiter belasten und zu Zersiedelung führen.

Crêt-Meuron (c) Christophe Schindler

Zahlreiche Akteure wie Verbände, politische Parteien, Kantone und Organisationen haben sich in der Vernehmlassung zum Entwurf des Landschaftskonzepts (LKS) geäussert. Wie es zu erwarten war, gab das Dokument zugleich Anlass zu Widerstand und zu Unterstützung. Manchen Stellungnehmenden gingen gewisse Punkte zu weit, andere Ziele wiederum wurden unterstützt. Die Lobby für weniger Landschaftsschutz war ebenso gut vertreten wie die Lobby für mehr Landschaftsschutz. Der Entwurf wurde vom Bundesrat praktisch unverändert beschlossen.

Überraschenderweise hat es der Bundesrat abgelehnt, zum Konflikt Landschaft / Windenergie Stellung zu beziehen. Sowohl von den Umweltverbänden wie auch von der Windkraftlobby waren Forderungen eingegangen, dass bezüglich der rund 800 geplanten Gross-Windkraftanlagen in der Schweiz klare Zielsetzungen festgelegt werden. Zum Vergleich: Ein Abschnitt im LKS widmet sich ausschliesslich der Solarenergie und legt fest, dass diese grundsätzlich an bereits bestehenden Infrastrukturen ausgebaut werden soll.

Zur Windenergie steht kurz und knapp: Diese sei in einem eigenen Konzept nach Art. 13 RPG zu behandeln. Im LKS des Bundes verbleiben somit die folgenden Ausführungen:

– Die Landschaften von nationaler Bedeutung sind in ihrer Fläche und Qualität mindestens erhalten und räumlich gesichert. Sie sind mit aufwertenden Massnahmen weiterentwickelt. Bestehende Beeinträchtigungen sind bei sich bietender Gelegenheit vermindert oder behoben. (Ziel 5.B)

– Durch die Unterstützung des Bundes sind regionale und lokale geschützte und schützenswerte Landschaften, Lebensräume, Bauten und Anlagen erhalten oder qualitätsorientiert weiterentwickelt. (Ziel 5.C)

Freie Landschaft Schweiz begrüsst diese klare Zielsetzung. Grosse Windkraftanlagen mit je bis zu 230m Gesamthöhe haben keinen Platz in unseren sensiblen, weltberühmten Landschaften. Die Windenergie ist – genau wie die Solarenergie – mit Kleinstanlagen zu nutzen, die bei bereits bestehenden Infrastrukturen errichtet werden und deren Strom lokal gespeichert und verbraucht wird. Nur so kann die Windenergie nachhaltig und landschaftsschonend zur Stromversorgung beitragen.

Zum Landschaftskonzept Schweiz: Link

Windparks bedrohen UNESCO-Welterbestätten

Die weitere Anerkennung der UNESCO-Welterbestätten La Chaux-de-Fonds – Le Locle und Reichenau am Rhein ist durch geplante Windparkprojekte in unmittelbarer Nähe auf den Gipfeln rund um den Vue-des-Alpes und auf dem Thurgauer Seerücken unmittelbar gefährdet. Im Wallis erfüllt das Hospiz des Grossen St. Bernhard, das seit 2016 auf der vorläufigen Liste des Bundes für die Ausschreibung zuhanden der UNESCO steht, aufgrund eines geplanten Windparkprojekts in Passnähe nicht mehr die Schutzbedingungen.

Windparkprojekt Reutenen TG mit Klosterinsel Reichenau

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sowie Freie Landschaft Schweiz warnen dringlich davor, Windkraftanlagen in der Nähe von UNESCO-Welterbestätten zu errichten. Die Bedrohung der Schutzgebiete ist sehr aktuell, im Kanton Thurgau und im Kanton Neuenburg schreitet die Planung von mehreren Projekten rasch voran. Auf dem Grossen St. Bernhard hat der Walliser Regierungsrat das Aufnahmegesuch zuhanden der UNESCO verunmöglicht, indem er die Einsprachen der Umweltverbände gegen einen Windpark beim Combe de Barasson in Passnähe abgewiesen hat.

Die Behörden des Landes Baden-Württemberg, in welchem sich die Klosterinsel Reichenau befindet, sind dermaßen besorgt, dass sich der Wirtschaftsminister direkt an Bern gewandt hat. Ebenso haben die Behörden von La-Chaux-de-Fonds – Le Locle das Bundesamt für Kultur diesbezüglich über die zuständige UNESCO-Expertenkommission kontaktiert. Diese Anfragen kommen zu einem ganz besonderen Zeitpunkt, da die beiden neuenburgischen Städte ab Ende Juni für ein Jahr den 10. Jahrestag der UNESCO-Eintragung des berühmten „urbanisme horloger“ feiern werden.

UNESCO Welterbestätte „Urbanisme horloger“ La Chaux-de-Fonds – Le Locle

Für die Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle sind die Pläne sehr konkret. In der Nähe sind drei Windparks geplant: Crêt Meuron (Tête de Ran), Montperreux (La Vue-des-Alpes) und La Joux-du-Plâne (Quatre Bornes), für insgesamt 27 Turbinen gemäss kantonaler Planung.

Das Baugesuch für den geplanten Windpark Crêt-Meuron und die öffentliche Auflage des Projekts Quatre Bornes könnten bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 erfolgen. Das Projekt Montperreux scheint “verspätet” zu sein, aber schreitet ebenso voran. Die Auswirkungen auf die Landschaft sind im Hinblick auf die UNESCO-Klassifizierung der beiden Städte erheblich und problematisch, da einige Anlagen weniger als 4 km von den zentralen Bereichen der Standorte entfernt stehen.

Rechts auf dem Bild: Windpark-Projekte auf dem Crêt-Meuron, Montperreux und La Joux-du-Plâne.
Links: in rot: Kernzone Welterbe La-Chaux-de-Fonds und Le Locle in blau: Pufferzone

Windpark Distanz zum Welterbe Abstand zur Pufferzone
Crêt-Meuron ~ 3.6 km ~ 1.6 km
Montperreux ~ 3.6 km ~ 1.5 km
La Joux-du-Plâne ~ 8 km ~ 5 km

 

 

Mont Saint-Michel – eine beispielhafte Reaktion

In Frankreich, wo 44 UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten eingetragen sind, darunter 39 Kulturgüter, hat das Umwelt-Ministerium Ausschlusszonen für Windenergie im Umkreis dieser Stätten eingerichtet. Diese Politik entstand nach der im Jahr 2011 aufgeworfenen Frage rund um das UNESCO-klassifizierte Gebiet des Mont-Saint-Michel, wo Windparkprojekte, die sich bis zu 25 km entfernt befinden, nach einem negativen Bericht einer UNESCO-Expertenmission eingestellt wurden.

Auch in Deutschland wurden trotz der erzwungenen Energiewende verschiedene Windparkprojekte aufgegeben, weil sie zu nahe an ikonischen Kultur- und Landschaftsbildern liegen. Gerade wegen dieser sensiblen Eigenschaften wurden diese Stätten zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Die Schweiz kann es sich nicht leisten, dieser kritischen Problematik ungenügende Aufmerksamkeit zu schenken. Die Umweltorganisationen fordern, dass den Risiken, die Windparkprojekte für die Nachhaltigkeit von klassifizierten Standorten darstellen, ernsthaft Rechnung getragen wird.

Gone with the Wind

Der Windatlas 2016 ist auf der Website des BFE verschwunden. Anfang Februar hat das Bundesamt für Energie (BFE) den Windatlas 2019 publiziert und dazu behauptet, dass „gegenüber der Ausgabe von 2016 der Windatlas 2019 in den meisten Regionen leicht tiefere Windgeschwindigkeiten“ zeige. Ein Dokument von „energieSchweiz“ zum gleichen Thema offenbart aber die ganze Brisanz des neuen Windatlas. Die Wind-Werte im verschwundenen Vorgänger waren absichtlich hoch, um die Abstimmung über das neue Energiegesetz am 21. Mai 2017 zu gewinnen.

(c) Michael Gaida Pixabay

Die Medienmitteilung des BFE vom 7. Februar 2019 klingt so, als handle es sich um nur geringfügige Unterschiede, die sich gleichmässig über das ganze Land verteilen. Konsultiert man aber den am 28. November 2018 von „energieSchweiz“ herausgegebenen Bericht zur Aktualisierung des Wind-Atlas von 2016 („Windpotentialanalyse für Windatlas.ch – Jahresmittelwerte der modellierten Windgeschwindigkeit und Windrichtung“), so ergibt sich ein anderes Bild.

In den meisten Regionen ist die Windgeschwindigkeit 0.5 m/s geringer als im Windatlas 2016 ausgewiesen. In den mit Windenergie-Projekten reich bestückten Kantonen TG und VD liegen die Windgeschwindigkeiten aber sehr „deutlich tiefer“ (Zitat), ebenso im Süden des Kantons SG, im Norden des Kantons GR sowie im Misox, im westlichen Wallis und in Teilen des Kantons NE (S. 24).

„Es war bekannt, dass die Werte vom Windatlas 2016 in diesen Regionen zu hoch ausfielen. (…) Die zu hohen Windgeschwindigkeiten des Windatlas 2016 wurden in der Aktualisierung nach unten korrigiert. Aus Gründen des Datenschutzes wird keine Differenzenkarte gezeigt.“ (Zitate aus dem im Auftrag des BFE veröffentlichen Bericht von energieSchweiz.)

Der Datenschutz wird nun vorgehalten, um das Verschwinden des Windatlas 2016 zu rechtfertigen. Damit soll der Bevölkerung vorenthalten werden, dass die Werte im Windatlas 2016 absichtlich hoch waren, um das Potential der Windenergie in der Schweiz massiv zu übertreiben.

Unterschiede von 0.5 m/s oder etwas mehr mögen klein erscheinen. Für die Nutzung der Windenergie sind sie jedoch von grosser Bedeutung: Die Stromproduktion einer Windturbine nimmt bei der Abnahme der Windgeschwindigkeit mit der dritten Potenz ab. Rechnete man bisher bei einem Projekt mit Jahresmittelwerten von 5.5 bis 6.0 m/s und einer Produktion von 166 bis 216 GWh, so sind bei neu 5.0 bis 5.5 m/s nur noch 125 bis 166 GWh zu erwarten, d. h. die Produktion reduziert sich um 25%. Es gibt sogar Projekte, die mit einer Reduktion von 50% konfrontiert sind.

Der neue Windatlas 2019 enthält immer noch sehr hohe Unsicherheiten. Im Jura und den Voralpen liegt die Abweichung bei +/- 0.5m/s, im Mittelland bei 0.7m/s, im Alpenraum sogar bei 1.3m/s.

Wenn vermeintlich kleine – und vom BFE kleingeredete – Unterschiede so grosse Wirkung haben, drängen sich einige Fragen auf:

– Wie ist das Auf und Ab der Windgeschwindigkeiten von 2004 bis 2019 zu erklären?
– Warum ist der Windatlas 2016 aus dem Internet verschwunden, was Vergleiche mit dem Windatlas 2019 verunmöglicht?
– Warum wurde „vereinbart, die Standorte der verwendeten Windstatistiken geheimzuhalten“ (Zitat, S. 14)?
– Warum darf die Bevölkerung der Schweiz nicht wissen, wo es welche Unterschiede gibt?

Wer immer als Steuerzahler, als Stromkonsument oder gar als Anwohner eines Windparkprojekts von den Folgen unterschiedlicher Windmessungen betroffen ist, hat gemäss Öffentlichkeitsprinzip ein Anrecht auf die Offenlegung der Daten.

Zum Bericht energieSchweiz: Link
Zur Medienmitteilung des BFE: Link

Die Revision des Stromversorgungsgesetzes verfehlt das Ziel

Mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) soll der Strommarkt neu organisiert werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen und die Integration erneuerbarer Energien in den Markt zu fördern. Der Revisionsentwurf verfehlt seine Ziele deutlich und setzt unser Land und unsere Wirtschaft einer zunehmenden Gefahr von Stromausfällen aus.

(c) Julita Pixabay

Die Gesetzgebung in der Energiepolitik ist seit mehr als einem Jahrzehnt im permanenten Revisionsmodus. Sobald eine Gesetzesänderung verabschiedet ist, wird die nächste eingeleitet. Die Energieversorgung, die auf kapitalintensiven und langfristigen Investitionen basiert, kann sich so nicht in einem stabilen Rahmen entwickeln. Die zentrale Herausforderung der heutigen Energiepolitik ist die Versorgungssicherheit des Landes mit Strom, was ernsthaft gefährdet ist.

Die Überarbeitung des StromVG bietet keine realistischen Lösungen für die Probleme. Die Annahmen im Erläuterungsbericht sind höchst fragwürdig. So sind zum Beispiel die Schätzungen über den Ausbau der Erneuerbaren deutlich übertrieben. Darüber hinaus sind die Bereitschaft der Nachbarländer, Strom zu liefern, und der Abschluss eines Stromabkommens mit der EU alles andere als sicher.

Die Bevölkerungszunahme und der ansteigende Stromverbrauch im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 (Elektromobilität usw.) ist hingegen sicher und erfordert sowohl eine hohe Produktionskapazität als auch eine Produktionsinfrastruktur, die in der Lage ist, flexibel zu produzieren und schnell auf Marktbedürfnisse zu reagieren. Die Gesetzesrevision bietet jedoch keine Lösung zur Stabilisierung des Netzes, wenn Sonne und Wind unregelmässig Energie liefern. Die Kapazität der Schweizer Speicherseen reicht nur für wenige Stunden oder Tage. Was Biomasse und Geothermie betrifft, ist völlig unklar, ob und wie viel Bandenergie sie in einigen Jahren liefern können.

Die Hoffnung der Energiestrategie, mit Windenergie die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, zeichnet sich zunehmend als nicht realistisch ab. Windkraftanlagen können weder vorhersehbar noch flexibel produzieren. Weder kurz- noch langfristig tragen sie zur Versorgungssicherheit bei. Diese Problematik wird durch den Entwurf des StromVG nicht gelöst.

Ein klares Signal zugunsten des Natur- und Landschaftsschutzes

Die Ergebnisse der Vernehmlassung zur Überarbeitung des Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz (NHG) liegen nun. Das Fazit ist eindeutig: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (55 %) lehnen die Schwächung des Natur- und Heimatschutzes ab.

(c) Pixabay

Zur Erinnerung: Die Kommission des Ständerates für Umwelt, Raumplanung und Energie hat einen Entwurf zur Überarbeitung des NHG zur Vernehmlassung vorgelegt, der darauf abzielt, den Natur- und Landschaftsschutz erheblich zu schwächen. Die Ergebnisse sind klar: Mehr als die Hälfte der Stellungnahmen sind gegen die vorgeschlagenen Änderungen.

Überraschend ist die Lage der Kantone: Nur die Hälfte von ihnen befürwortet die Revision, weil ihnen durch die Gesetzesänderung mehr Spielraum für den Bau von Infrastrukturen in Schutzgebieten eingeräumt werden soll. Dieses Ergebnis zeigt das Engagement der Kantone für den Schutz ihrer Landschaften, gerade im aktuellen Kontext der fortschreitenden Zersiedelung.

Freie Landschaft Schweiz hat sich aktiv an der Konsultation beteiligt und nimmt die Ergebnisse mit Genugtuung zur Kenntnis. Die Weitsicht der meisten Kantone ist lobenswert. Der Verband ist der Ansicht, dass die Änderung keine Chance haben wird und fordert die sofortige Einstellung des Projekts.

Resultate der Vernehmlassung: Link

 

Fiasko auf dem Nufenen

Der Bund und die Windlobby hatten ihn mitten in der Kampagne zur Energiestrategie 2050 glanzvoll eingeweiht: Der Windpark am Griessee nahe dem Nufenenpass im Wallis. Allerdings ist der Windpark ein schwarzes Loch: Eine seriöse Studie des Physikers Dr. sc. J.-Bernard Jeanneret beweist, dass dieses Projekt unter dem Strich sehr viel Geld kosten wird. Die Kilowattstunde soll zu 48 Rappen verkauft werden, um die Produktionskosten zu decken, das Zehnfache (!) des aktuellen Marktwertes.

Für den Physiker, der am CERN arbeitete, war das Debakel vorhersehbar. Für Jeanneret ist es unerklärlich, warum das Departement von Doris Leuthard, insbesondere das Bundesamt für Energie BFE, über fünf Jahre lang so begeistert von diesem Projekt gewesen sein konnte.

Der Projektant Swisswinds hatte seine Baubewilligung 2014 mit einer ausgewiesenen Produktivität von 13 bis 14 GWh/Jahr eingereicht. Das Ergebnis: Kürzlich veröffentlichte Zahlen zeigen, dass im Jahr 2017 weniger als 8 GWh (!) erzeugt wurden. Mit einer Auslastung von 9.5% ist dieser Windpark praktisch der schlechteste in der Schweiz.

Die Schlussfolgerungen sind vielfältig und reichen von der Schwäche der Windressourcen in der Schweiz bis hin zur irreführenden politischen Vermarktung der Windlobby. Aber vor allem müssen wir aufhören, den Promotoren zu glauben, die fragwürdige Zahlen vorlegen, um ihre Projekte zu verwirklichen; Zahlen, die der Realität am Ende widersprechen, wenn das Projekt erst einmal gebaut ist. Dann ist es aber zu spät.

Zur Studie (Französisch): Link.

 

Bundesrat begräbt den Schweizer Landschaftsschutz

Der Bundesrat hat die mit Spannung erwarteten Verordnungen beschlossen, welche das neue Energiegesetz konkretisieren (Volksabstimmung 21. Mai 2017). Von nun an wird ein « Windpark » mit nur 4 Maschinen « nationales Interesse » erhalten. Diese Auslegung des Energiegesetzes verletzt in schwerwiegender Art und Weise den Volkswillen und ist eine juristische Bastelübung sondergleichen.

Die heute vom Bundesrat beschlossene Energieverordnung spricht einem Windpark mit einer Jahresproduktion von gerade nur 20 GWh nationales Interesse zu. Das bedeutet, dass schon 4 Windturbinen gemeinsam die höchste Stufe eines Interesses erhalten. Diese Jahresproduktion entspricht jeweils knapp 1.2 Promille des jährlichen Schweizer Elektrizitätsverbrauchs. Für diese lächerlich geringe Stromproduktion werden die 162 Gebiete gefährdet, welche im Bundesinventar der national geschützten Landschaften enthalten sind. Ausser dem Kriterium für eine festgelegte durchschnittliche Jahresproduktion gibt es in der Verordnung keine weiteren, wie z.B. eine markt-orientierte Produktion, wie es das Bundesgericht vor einem Jahr beim Windpark Schwyberg verlangte. Weiterlesen

Revision des Raumplanungsgesetzes : Territoriale Entwicklung ohne jede Kohärenz

Freie Landschaft Schweiz begrüsst das Prinzip der zweiten Revision des Raumplanungsgesetzes. Die aktuelle Regelung ist als Folge verschiedener grundlegenden Änderungen sehr komplex geworden, nur noch eine kleine Minderheit und wenige Juristen haben den Durchblick. Auch wenn man den Willen zur Revision begrüssen kann, fällt die Raumplanungspolitik widersprüchlich aus, da der Bund keine kohärente Vision der Gebiete ausserhalb der Bauzonen hat.

Die Einführung des begrenzten Spielraums für die Kantone bei der Planung und Kompensation ist lobenswert. Dieses System berücksichtigt die Vielfalt der Schweizer Gebiete und ist eine gute Gelegenheit, die bestehenden Regeln zu vereinfachen.

Freie Landschaft Schweiz ist jedoch erstaunt, dass die Bundesstellen keine gemeinsame Vision haben, was ausserhalb der ordentlichen Bauzonen geschehen soll. Auf der einer Seite wollen die Behörden alles regeln, fast bis auf den letzten Quadratmeter, um die Um- und Neubauten ausserhalb der Bauzone zu begrenzen, damit die Zersiedelung zum Schutz der Landschaft auf ein Minimum reduziert werden kann. Auf der anderen Seite treibt das Departement von Frau BR Leuthard nicht nur die Zersiedelung voran, sondern forciert mit dem Bau von hunderten geplanten, riesigen Windturbinen ausserhalb der Bauzonen eine Industrialisierung der Landschaft. Und dies mit der Folge, eine nur schwache und unsichere Energieproduktion zu erreichen. Nicht unberücksichtigt lassen darf man zudem den erhöhten Bedarf an Stromleitungen, jeweils kilometerlangen Zufahrtswegen mit 5-7m Breite und Rodungen, welche dem 2014 durch das Stimmvolk angenommenen Raumplanungsgesetz im Grundsatz zuwiderlaufen.

Das „Konzept Windenergie Schweiz“, welches das Bundesamt für Raumplanung sozusagen gleichzeitig mit dem Start der Vernehmlassung über die zweite Revision des Raumplanungsgesetzes veröffentlicht hat spricht sich für die Errichtung von Windenergieanlagen für eine Jahresproduktion von 4,3 TWh. Dies erfordert den Bau von fast 1000 Windkraftanlagen in der Schweiz ausserhalb der Bauzone, was eine Katastrophe für die Landschaft, für die Landwirtschaftszonen und Schutzgebiete wäre. Der Planungspolitik in der Schweiz fehlt jede Abstimmung und Koordination und zeigt eine gefährliche Blindheit gegenüber den wirklichen Problemen der Zersiedelung und eine abwegige Gewichtung der aktuellen Bundesinteressen.