Ein Marktführer der erneuerbaren Energien am Rand des Abgrunds.
BayWa r.e., ein deutscher Gigant im Bereich Wind- und Solarenergie, sitzt auf bis zu 5,6 Milliarden Euro Schulden. Die Firma Energy Infrastructure Partners (ehemals Credit Suisse Energy Infrastructure Partners) sowie die mitinvolvierten Schweizer Persönlichkeiten Suzanne Thoma, Ruedi Noser und Roland Dörig waren bereit, das angeschlagene Unternehmen zu übernehmen. Doch was als Meisterstück gedacht war, endete in einem bitteren Misserfolg.
Freie Landschaft Schweiz verfolgt diesen Fall seit über einem Jahr und veröffentlicht heute die aktuellen Schlussfolgerungen.
Ein Blick zurück
BayWa AG ist ein deutscher Konzern, der 1923 unter dem Namen Bayerische Warenvermittlung gegründet wurde. Aufgrund seiner Tätigkeiten im Agrarsektor wird er oft mit der Schweizerischen Fenaco verglichen. Der Betrieb beschäftigt rund 24’000 Personen. Das Unternehmen verkauft vor allem Heizöl und Pellets sowie Betriebsmittel und Futtermittel für Nutztiere. Neben der Versorgung der Landwirte mit den für ihre Produktion notwendigen Ressourcen kauft BayWa AG anschliessend deren Ernten auf, um sie weiterzuverkaufen, und festigt damit seine dominante Stellung auf dem deutschen Agrarmarkt.
Eine unersättliche Gier und kostspielige Fehler
Auf der Suche nach neuen Gewinnen gründete BayWa AG Ende der 2000er-Jahre BayWa r.e., eine Tochtergesellschaft, die auf erneuerbare Energien spezialisiert ist.
In Rekordzeit expandierte das neue Unternehmen in mehr als 20 Länder und errichtete weltweit 144 Windparks (einschliesslich Offshore) und 177 Solarparks. Ein spektakulärer Aufstieg, getragen von einer wirkungsvollen und sorgfältig gepflegten Kommunikation: „Windparks bauen, um die Energiewende zu beschleunigen“, verkündet das Unternehmen stolz.
Doch hinter diesem rasanten Wachstum verbirgt sich eine katastrophale Finanzführung. Offenbar berauscht von den erzielten Gewinnen durch Subventionen, vernachlässigte BayWa r.e. Machbarkeitsstudien, häufte strategische Fehler an und tätigte riskante Investitionen. Zu den Rückschlägen zählen etwa ein Solarpark in Australien, der wegen eines zu kleinen Stromnetzes nicht genutzt werden kann, oder der Bau von Windrädern ohne korrekte Messung der Windstärken…
Hinzu kommen verschiedene Klagen wegen Lärmbelästigung oder wegen Gefährdung geschützter Arten. BayWa r.e. wird vorgeworfen häufig, die Natur auf dem Altar des Profits zu opfern. Die Firma scheint weit von dem vorbildlichen grünen Modell entfernt zu sein, , das sie in ihrer Kommunikation vorgibt zu verkörpern.
Irreführende Kommunikation, Insolvenz knapp vermieden
Im Herbst 2024, als sich der Konzern bereits am Rand des Abgrunds befand, pries Website der Firma weiterhin selbstbewusst die eigenen Erfolge. Doch im Oktober 2024 enthüllte die NZZ ein Audit der Beratungsfirma Roland Berger, welches das Ausmass der Katastrophe sichtbar machte: 5,6 Milliarden Euro Schulden. Um eine Insolvenz zu verhindern, mussten Banken und Grossaktionäre in letzter Minute mehrere Notkredite bereitstellen.
Die Schweizer übernehmen die Kontrolle … und verlieren alles
Angesichts des drohenden Zusammenbruchs kursierten während mehreren Monaten Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch das Schweizer Unternehmen EIP. Anfang 2025 gab EIP stolz bekannt, seine Beteiligung an BayWa r.e. auf 65 % erhöht zu haben und damit Mehrheitsaktionär geworden zu sein. Roland Dörig, eine bekannte Persönlichkeit in der Versicherungs- und der Eishockeybranche, dachte bereits selbstsicher über eine radikale Restrukturierung nach. Er konnte dabei auf Ruedi Noser (ehemaliger FDP-Ständerat und Pionier in der Solar-Offensive in den Schweizer Alpen) und Suzanne Thoma (Executive Chairwoman von Sulzer, ehem. CEO von BKW) zählen, die im Verwaltungsrat sassen… Alles war bereit!
Doch was wie eine günstige Gelegenheit aussah, verwandelte sich rasch in ein Fiasko. Einige Wochen später wurde die Vereinbarung annulliert. Die bayerischen Banken erkannten, dass sie BayWa r.e. zu billig an die Schweizer abgegeben hatten, und beschlossen, selbst die notwendigen Mittel für die Rettung bereitzustellen und so die Kontrolle über die Tochtergesellschaft zurückzugewinnen.
Roland Dörig erlitt einen herben Rückschlag und EIP blieb nur eine Minderheitsbeteiligung. Die zentrale Akquisition der Schweizer Investoren brach zusammen, und seither war von der Firma EIP nicht mehr viel zu hören.
Der Trump-Effekt
Kürzlich war in der NZZ zu lesen, dass sich die Situation von BayWa und ihrer Tochtergesellschaft BayWa r.e. weiter verschlechtert habe. In den USA beendete Donald Trump die Steuervergünstigungen für Solar- und Windenergie und brachte damit ein ganzes, auf Subventionen aufgebautes Modell ins Wanken. Das Unternehmen, das stark von diesem Markt abhängig ist, sah sich erneut mit der harten wirtschaftlichen Realität konfrontiert. Partner – inzwischen misstrauisch geworden – verlangten mehr Garantien.
Zu den ersten Betroffenen gehörte der Schweizer Investor Energy Infrastructure Partners EIP, der bereits sah, wie der Wert seines Engagements als Minderheitsaktionär weiter schmolz… Und bei BayWa erscheinen der Restrukturierungspläne, der eigentlich als Rettungsanker präsentiert wurden, fragiler denn je.
Seit über einem Jahr beschäftigen sich Investoren, Verwaltungsräte und Politiker mit den hohen Schulden der Firma. BayWa r.e. ist häufig in den Schlagzeilen, und ein Ende ist nicht in Sicht. Weitere Sanierungspläne sind gescheitert. Weiterhin betreibt die Firma eine grosse Anzahl an Kraftwerken. Die Umweltschäden und die finanziellen Schulden werden nicht kleiner. Statt der erhofften Gewinne muss die Muttergesellschaft grosse Abschreibungen verkraften.
Das Geschäft mit den erneuerbaren Energien wird sich verantworten müssen!
Wie im Fall von BayWa r.e. zeigt diese Affäre eine besorgniserregende Entwicklung: Unter dem Deckmantel der Energiewende treiben einige Projektentwickler Vorhaben im Eiltempo voran, verharmlosen die Umweltauswirkungen – und machten gewaltige Profite, während ihre Schulden die Milliardengrenze unterdessen weit übersteigen.
Damit drängt sich eine Frage auf: Haben die Milliarden an öffentlichen Subventionen in Europa in all den Jahren wirklich dazu gedient, eine grüne Energie zu entwickeln – oder lediglich das Geschäft einiger opportunistischer Investoren voranzutreiben?
Am Ende bezahlt die Natur und die Öffentlichkeit einen hohen ökologischen und ökonomischen Preis.
Freie Landschaft Schweiz, MdG
Quellen
https://www.baywa.com/en/about/history/baywas-founding-years
https://www.baywa-re.com/en/news/australian-solar-farm-yatpool-now-supplying-green-energy
https://www.baywa.com/en/pressinformation/en_02624_financing_package
https://www.baywa.com/en/pressinformation/pi03724_baywa-transformation
https://www.telebaern.tv/telebaern-news/kanton-bern-stoppt-windpark-bau-in-tramelan-162393051
https://www.reuters.com/business/energy/switzerlands-eip-still-eyeing-majority-baywa-renewable-unit-letter-2025-03-18/
