Der Energiekonzern Axpo verzichtet auf den geplanten Windpark in den Flumserbergen – zur Erleichterung vieler Bewohnerinnen und Bewohner dieser Naturlandschaft zwischen Chur und Zürich. Der Grund für den Rückzug? Zu wenig Wind. Hinter dieser beinahe banalen Erklärung verbirgt sich eine grundsätzliche Erkenntnis: Ohne geeignete Rahmenbedingungen halten selbst ambitionierte Infrastrukturprojekte der Realität nicht stand.
Kein Wind, keine Windturbine
Auf dem Papier schien vieles stimmig. Der Richtplan des Kantons St. Gallen prognostizierte durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von 5,5 Metern pro Sekunde in 150 Metern Höhe. Die effektiven Messungen jedoch ergaben lediglich 3,5 Meter pro Sekunde (kaum 12 km/h). Ein Wert, der für einen wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen klar unzureichend ist.
Die Bevölkerung schaut genau hin
Am Flumserberg, wie auch an anderen Orten, begnügt sich die Bevölkerung längst nicht mehr mit politischen Versprechen. Sie hinterfragt, prüft und engagiert sich kritisch, wenn Projekte aus ihrer Sicht nicht gerechtfertigt sind. Die Bürgerinitiative «IG Sardona Gegenwind» sowie Freie Landschaft St. Gallen engagieren sich seit Jahren gegen die Windkraftpläne. Anfang 2025 präsentierten sie realitätsnahe Visualisierungen des geplanten Parks (https://www.freie-landschaft-sg.ch/visualisierungen) sowie ein Informationsblatt, das insbesondere die möglichen Auswirkungen auf den Tourismus und das weltbekannte Skigebiet thematisierte. Im Januar, vor allem an der von Axpo organisierten Informationsveranstaltung, verschärfte sich die Kritik weiter. Skepsis, Vorbehalte und deutliche Einwände dominierten die Diskussion.
Vor wenigen Tagen hat Axpo schliesslich den Stecker gezogen – und kam damit einer drohenden Ablehnung durch die Alpkorporation Mols zuvor. Eine Auseinandersetzung, die sich zunehmend als aussichtslos abzeichnete.
Eine bröckelnde Illusion
Der Projektabbruch hat nationale Strahlkraft. Er macht eine oft unterschätzte Realität deutlich: Es gibt häufig grosse Unterschiede zwischen theoretischen Annahmen und konkreten Verhältnissen vor Ort.
Nicht weit entfernt, am St. Margrethenberg, mussten kürzlich auch die Betreiber des Windparkprojekts Grot-Maton ihre Erwartungen drastisch nach unten korrigieren. Ursprünglich sollte die Anlage Strom für bis zu 12’500 Haushalte liefern. Inzwischen ist nur noch von rund 5’000 Haushalten die Rede. Die detaillierten Messergebnisse bleiben bislang unter Verschluss. Ob auch dieses Projekt scheitern wird, ist offen, aber möglich.
Wir bleiben dran
Für Freie Landschaft Schweiz und seine regionalen Sektionen ist der Projektabbruch in den Flumserbergen durch den Stromkonzerns axpo ein Erfolg. Es zeigt sich: Engagement und beharrliche Mobilisierung zeigen Wirkung – und stärken den Einsatz mit Blick auf die kommenden Weichenstellungen im Jahr 2027.
