Frankreich verkündet das Ende der Expansion von Windkraftanlagen auf dem Land

Vor genau zehn Jahren setzte der französische Staat seine erste Energiestrategie „PPE“ in Kraft – eine eigentliche Roadmap für den raschen Übergang von fossilen Energien zu erneuerbaren Quellen. Doch wie überall in Europa holt die Realität heute den ambitionierten Zeitplan ein und hemmt die erhofften Entwicklungen. Die vor drei Wochen präsentierte PPE in ihrer dritten Fassung (PPE3) steht für einen tiefgreifenden Richtungswechsel und ordnet die energiepolitischen Prioritäten neu.

Die PPE3: Was ist das eigentlich?
Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Bezeichnung «Planification Pluriannuelle de l’Énergie». Es handelt sich also um eine mehrjährige Energieplanung, eine Energiestrategie. Die früheren Versionen 1 und 2 konzentrierten sich vor allem auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere der Windkraft an Land, in der Annahme, dass diese Kohle, Gas und Kernenergie schrittweise ersetzen könnten.
Heute markiert die PPE3 jedoch eine entscheidende Wende, indem sie stärker auf den Ausbau sowie die Anpassung des Stromnetzes setzt. Es geht nicht mehr nur darum, möglichst viel Strom zu produzieren, sondern ein System aufzubauen, das dauerhaft zuverlässig funktioniert.
Mit anderen Worten: Es genügt nicht, einfach viele Windkraftanlagen oder Solarpanels zu installieren. Entscheidend ist auch, sicherzustellen, dass der Strom immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort vorhanden ist – selbst dann, wenn weder Wind weht noch die Sonne scheint.

Der Anfang vom Ende
Die PPE3 kündigt das Ende der ungebremsten Windkraftentwicklung an Land an. Vorgesehen ist zunächst eine deutliche Verlangsamung des Ausbaus, verbunden mit dem ausdrücklichen Willen, die schädlichen Auswirkungen auf das Landschaftsbild zu begrenzen.
Mit heute rund 9’500 Windkraftanlagen verabschiedet sich Frankreich von den früher angedachten Szenarien unbegrenzten Wachstums. Künftig soll die Entwicklung der Energieproduktion vor allem über den Ersatz bestehender Anlagen durch leistungsstärkere Modelle erfolgen, nicht über neue Standorte.
Bis 2031 wird der Windparkbestand damit auf maximal rund 12’000 Anlagen eingeschränkt – ein klarer Bruch mit den früheren PPE-Versionen. Damit zeichnet sich eine maximale Anzahl Windturbinen ab – und ein darauffolgender Rückgang.

Das Ende eines allzu selbstsicheren Modells
Höhere Kosten als erwartet, zunehmender Bürgerwiderstand, unterschätzte technische Einschränkungen, volatile Produktion – all diese Faktoren bremsen eine Dynamik, die lange als gesetzt galt.
Man darf nicht vergessen: Die massiven Investitionen in die Windkraft waren bislang auch deshalb möglich, weil Projektträger grosszügig subventioniert wurden. Heute genügt es nicht mehr, dass ein Windpark finanziell gefördert wird – er muss sich in ein System einfügen, das ohne Widersprüche und verlässlich funktioniert.
Genau dieser Perspektivenwechsel prägt die PPE3: Es geht nicht mehr allein darum, erneuerbare Energien auszubauen, sondern ein Energiesystem zu schaffen, das die Versorgung jederzeit sicherstellen kann.
Konkret bedeutet das einen Energiemix, in dem steuerbare Quellen – allen voran die Kernenergie – wieder eine zentrale Rolle einnehmen. Während die vorherige PPE noch die Stilllegung von 14 Reaktoren vorsah, besiegelt die neue Fassung offiziell den Neustart der Kernenergie und garantiert langfristige Investitionen. 14 neue Kernkraftwerke sind in der PP3 vorgesehen, um die 14 älteren zu ersetzen.

Und wir in der Schweiz?
Was sich andernorts abspielt, betrifft früher oder später auch uns. Die Schweiz ist in den europäischen Strommarkt integriert und kann diese Entwicklungen nicht ignorieren. Dieselben Akteure, dieselben Investitionslogiken und dieselben technischen Rahmenbedingungen gelten auch hier.
Wenn grosse Länder wie Frankreich und Deutschland ihre Strategien neu bewerten, wäre es illusorisch zu glauben, dies bliebe ohne Auswirkungen auf unsere Region. Offen bleibt lediglich, welche Auswirkungen kommen – und wann.
Über wirtschaftliche und technische Aspekte hinaus verdient ein weiteres Signal Beachtung: Indem Frankreich den Windkraftausbau zugunsten des Landschaftsschutzes bremst, trifft es eine klare Entscheidung – eine Entscheidung, die auch die Schweiz 2027 wird fällen müssen.
Wollen auch wir unsere Landschaften und Wälder bewahren?

Freie Landschaft Schweiz, MdG


Hauptquellen

Plan énergie-climat français et place du nucléaire https://www.lemonde.fr/planete/article/2024/07/11/dans-le-plan-energie-climat-de-la-france-soumis-a-bruxelles-des-objectifs-insuffisants-en-matiere-de-renouvelables_6248839_3244.html

https://www.agirpourlenvironnement.org/publications/ppe-3-un-choix-energetique-a-contre-courant-de-l-urgence-climatique-et-de-la-democratie-energetique

Analyse critique de la PPE et hypothèses économiques
https://www.lemonde.fr/idees/article/2024/11/06/energie-le-dossier-de-concertation-sur-la-programmation-pluriannuelle-de-l-energie-semble-comporter-beaucoup-de-non-dits-sur-des-points-majeurs_6378760_3232.html

Débats politiques sur le mix énergétique en France
https://www.lemonde.fr/planete/article/2025/06/16/energie-et-climat-des-debats-cruciaux-commencent-a-l-assemblee-nationale-sur-les-grandes-orientations-du-pays-pour-les-dix-prochaines-annees_6613485_3244.htm

https://www.economie.gouv.fr/ppe-3-planifier-la-decarbonation-de-la-france

PPE3
https://www.info.gouv.fr/actualite/ppe-3-la-nouvelle-feuille-de-route-energetique-de-la-france

https://www.sauvonsleclimat.org/fr/ressources/base-doc/tribune-limites-dintegration-denr-non-pilotables-dans-les-reseaux

https://www.info.gouv.fr/actualite/ppe-3-la-nouvelle-feuille-de-route-energetique-de-la-france