Windkraft im Winter: Was die Grafik des BFE verschweigt

Jedes Jahr, wenn der Winter naht, macht das Bundesamt für Energie (BFE) zusammen mit seinen Partnern – Suisse Éole und Suisse Energie – anhand von Grafiken darauf aufmerksam, dass die Windenergie angeblich eine wichtige Rolle in der winterlichen Stromversorgung spiele. Doch die Kurve vermittelt ein falsches Bild der Tatsachen. Eine Richtigstellung.

Bei jeder Gelegenheit verbreiten das Bundesamt für Energie und die Windkraftlobby eine Darstellung, welche drei Kurven zeigt: Solarenergie in Gelb, Windenergie in Grün, Wasserkraft in Blau. Aus der Grafik meint man ablesen zu können, dass Solarenergie im Winter kaum und die Wasserkraft nur wenig Strom liefere. Die Windkraft liefert dafür  im Winter enorm viel Strom. Auf den ersten Blick wirkt dieser Mix also ausgewogen und Windkraft steht als Winterstrom-Lieferant gut da.

Diese Grafiken sind nicht per se falsch, aber sie zeigen nur, in welchen Monaten wahrscheinlich eher Strom produziert wird – und nicht wie viel und mit welcher Sicherheit! Indem unterschiedliche Energiequellen mit ihren Monatswerten gegenüber gestellt werden, entsteht der Eindruck, sie würden sich mengenmässig perfekt ergänzen. In der Realität stimmt das aber nicht. Und die Grafik ist sogar noch irreführend.

Windkraft liefert in der Schweiz auch im Winter kaum Strom

Nehmen wir ein einfaches Beispiel mit drei Glühbirnen unterschiedlicher Leistung. Wenn alle eingeschaltet sind, könnte man meinen, sie leuchten alle ähnlich stark. Doch eine 10-Watt-Birne erzeugt nicht dasselbe Licht wie eine mit 25 oder 100 Watt. 

Genauso verhält es sich mit dieser Grafik: Es werden nicht tatsächlich Produktionsmengen verglichen, sondern die Monate, wann die Technologien eher Strom produzieren. Die Grafik zeigt einzig, dass Solarenergie im Winter weniger Strom liefere und Windenergie in den Wintermonaten tendenziell Wind mehr produziert.

Die Stromproduktion aus Windkraft scheint im Winter massiv – obwohl sie kaum 0,3 % der gesamten Schweizer Stromproduktion ausmacht. Die Solarenergie dagegen liefert in der Schweiz bereits über 10% der Stromproduktion, also das 30-fache der Windkraft. Auch im Winterhalbjahr liefert die Solarenergie das 8-fache der Windkraft.

Genaue Plattformen wie Swiss Energy Charts zeigen eine ganz andere Realität. In ihren Grafiken ist die grüne Kurve der Windenergie (Anteil an der Stromproduktion) fast nicht sichtbar, weil die Windkraft hierzulande so wenig Strom liefert. Selbst im Winter bleibt und bliebe ihr Beitrag in der Schweiz marginal.

Grafik Swiss Energy Charts, Woche 7, 2026. Rot: Kernkraft. Blau: Wasserkraft. Gelb: Solarkraft. Grün (und fast nicht sichtbar): Windkraft.

Irreführende Durchschnittswerte

Die Grafik ist irreführend, weil die «durchschnittlichen Monatswerte» dargestellt werden. Entscheidend für die Stromversorgung ist jedoch nicht ein Monatswert, sondern die Zuverlässigkeit der Windkraft in jeder Sekunde.

Strom kann keine Sekunde gespeichert werden, sondern muss genau dann produziert werden, wenn er verbraucht wird.

Ein monatlicher Durchschnittswert sagt also nur aus, dass Windkraft mit grösserer oder kleinerer Wahrscheinlichkeit Strom liefert. Für die Stromversorgung ist das aber irrelevant.

Übrigens: Wenn man die relativen Monatswerte in den einzelnen Jahren anschaut, so sind grosse Unterschiede sichtbar (Quelle: Monatswerte 2020-2024, BFE). Manchmal produziert die Windkraft im November fast 16% ihrer Jahresproduktion, und manchmal nur 6%. Das zeigt, wie unzuverlässig die Windkraft ist. Sie ist nicht steuerbar, sondern zufällig.

Die Windenergie ist weit davon entfernt, eine «tragende Säule» der Winterversorgung zu sein. Das Bundesamt für Energie und die Windkraftlobby verzerren mit solch irreführenden Grafiken die demokratische Debatte in unserem Land.

Freie Landschaft Schweiz, Mdg


Quellen:

Grafik beim Bundesamt für Energie

Broschüre Suisse Eole

Grafiken der Energy Charts:
https://www.energy-charts.info/index.html?l=fr&c=CH
https://energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=fr&c=CH

Elektrizitätsstatistik des Bundes